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Fakten über Goethe - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 12 Staffel 1

Johann Wolfgang von Goethe: Dieser Mann ist ein Universalgenie: Ein Jurist, Mediziner, Maler, Skandalautor und Naturwissenschaftler. Seine Ideen verändern die Welt. Ob Farblehre oder Forschung von Pflanzen, Goethe war stets ein echter Dichter und Denker.

17.10.2016 14:02 | 5:18 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Universalgenie

Johann Wolfgang von Goethe: Deutschlands größter Dichter

Johann Wolfgang von Goethe: Dieser Mann ist ein Universalgenie, denn er war nicht nur Dichter, sondern auch Jurist, Mediziner, Maler, Skandalautor und Naturwissenschaftler. Seine Ideen veränderten die Welt. Doch wussten Sie eigentlich, dass Goethe auch ein modischer Trendsetter war und sich eine ganze Generation wie der Held aus seinem berühmtesten Buch kleidete? Oder dass Deutschlands größter Dichter sein Leben lang hessisch sprach?

Die jungen Jahre

Johann Wolfgang von Goethe kommt am 28. August 1749 in Frankfurt zur Welt. Seine Eltern zählen zum angesehenen Bürgertum. Goethes Vater Johann Caspar Goethe ist promovierter Jurist und wohlhabend. Seine Mutter Catharina Elisabeth Goethe entstammt ebenfalls aus einer einflussreichen Familie. Von Goethes fünf jüngeren Geschwistern überlebt nur seine Schwester Cornelia die frühe Kindheit. Mit ihr verbindet den Dichterfürsten eine so innige Beziehung, dass viele später sogar von inzestuösen Gefühlen sprechen. Doch auch das Universalgenie selbst wäre bei seiner Geburt beinahe gestorben: Die Nabelschnur hatte sich um seinen Hals gewickelt. Ob er wohl deshalb sein ganzes Leben lang eine ausgeprägte Abneigung gegen enge Kragen hatte?

Der junge Goethe und seine Schwester werden streng erzogen. Ihr Vater und mehrere Privatlehrer unterrichten die Geschwister zu Hause. Der überaus sprachbegabte Junge lernt Latein, Griechisch, Französisch, Italienisch, Englisch, Hebräisch und "Judendeutsch". Des Weiteren stehen verschiedene naturwissenschaftliche Fächer, Religion und Zeichnen auf seinem Stundenplan, aber auch Klavier- und Cello-Unterricht. Sportlich muss sich der junge Johann Wolfgang von Goethe ebenfalls schon früh ausgiebig betätigen: Er lernt Reiten, Fechten und Tanzen.

Mit 17 Jahren beginnt Johann Wolfgang von Goethe in Leipzig mit dem Jurastudium. Doch anstatt in die Uni geht er mit seinen Freunden lieber in die Kneipe. Jura studiert er nur seinem Vater zuliebe – ihn selbst interessiert die Rechtswissenschaft nicht. Ohne die Aufsicht der Eltern genießt er sein Leben in vollen Zügen: Er feiert, flirtet und trinkt viel. Sein Studium vernachlässigt er dafür immer mehr. Wegen seines ausschweifenden Lebenswandels und dem Wunsch, die Jurisprudenz zugunsten der Poesie an den Nagel zu hängen, überwirft er sich schließlich sogar mit seinem Vater und ist infolgedessen chronisch knapp bei Kasse.

Doch Johann Wolfgang von Goethe ist auch ein berüchtigter Charmeur, hat zahlreiche Geliebte und ist mehrmals verlobt. Erst im Alter von 57, am 19. Oktober 1806, heiratet er schließlich seine langjährige Lebensgefährtin Christiane Vulpius. Da hat das Paar schon einen 17-jährigen gemeinsamen Sohn – für die damalige Zeit ein echter Skandal!

Johann Wolfgang von Goethe gilt heute als der bedeutendste Schriftsteller Deu...
Johann Wolfgang von Goethe gilt heute als der bedeutendste Schriftsteller Deutschlands. © dpa

Johann Wolfgang von Goethe: Auf dem Weg zum Dichterfürsten

Mit Anfang 20 schließt sich Johann Wolfgang von Goethe einer neuen Jugendbewegung an. Die jungen Wilden kämpfen gegen Autorität, Tradition und starre Regeln. Der Name der Bewegung: Sturm und Drang. Sein erstes großes Stück "Götz von Berlichingen" wird zum Gründungswerk.

Obwohl dieses heute weltberühmt ist und für jeden Schüler zur Pflichtlektüre gehört, will die Schriften des jungen Juristen zur damaligen Zeit zunächst niemand lesen. Viele Gedichte schreibt Goethe für seine erste große Liebe, eine Dame namens Lotte. Die Beziehung endet unglücklich. Sein Liebeskummer inspiriert den Dichterfürsten jedoch zu seinem ersten erfolgreichen Roman: "Die Leiden des jungen Werther" ist bis heute ein Kultbuch. Goethe schreibt es in nur vier Wochen. Mit 25 ist er plötzlich weltberühmt und ein Jugendidol. Der Nachteil: Seine Fans belagern sein Haus. Um unerkannt zu bleiben, legt er sich einen falschen Namen zu und reist unter dem Pseudonym Johann Philipp Möller.

Sein Kultbuch beeinflusst auch die Mode. Die Fans kleiden sich wie die Hauptfigur: Blaue Jacken und gelbe Westen sind im Jahr 1774 der Trend schlechthin. Doch nicht nur das: Das Buch löst einen riesigen Skandal aus, denn zahlreiche junge Männer nehmen sich wie der Romanheld das Leben. Das Phänomen solcher Nachahmungstaten nennt man bis heute den "Werther-Effekt". Er führt dazu, dass Goethes Buch auf den Index wandert.

Der "Werther" macht den bis dahin noch unbekannten Goethe quasi übe...
Der "Werther" macht den bis dahin noch unbekannten Goethe quasi über Nacht zum Star. © dpa

In den folgenden Jahren konzentriert sich Johann Wolfgang von Goethe verstärkt auf seine Amtskarriere, wird 1776 Mitglied des obersten Regierungsgremiums von Herzog Carl August in Weimar. Um Streitigkeiten mit dem Adel vorzubeugen, erhebt dieser den Dichterfürsten in den Adelsstand. Goethe darf sich fortan "von" nennen und steigt im Anschluss bis zum Finanzminister auf. Doch die Beamtentätigkeit kann das Universalgenie nicht befriedigen. Goethe verfällt in eine Sinnkrise und zieht einen radikalen Strich unter seine Weimarer Amtszeit.

Im September 1786 bricht er heimlich zu seiner berühmten Italienreise auf, zu Hause kennt niemand sein Ziel. Und auch der Termin seiner Rückkehr ist völlig offen. Mit diesem Trick ist es dem Dichterfürsten möglich, seine Ämter niederzulegen und trotzdem weiter sein Gehalt zu beziehen. Erst knapp zwei Jahre später kehrt er nach Weimar zurück. Sein Reiseroman weckt in den Deutschen die Sehnsucht nach Bella Italia.

Doch die Italienreise ist nur der Berühmteste von Goethes Trips. Unter Zeitgenossen wird er auch "Der Wanderer" genannt. Denn lange bevor es Tourismus gibt, reist er um die Welt.

Sein vielleicht größtes Werk …

1808 gibt Johann Wolfgang von Goethe dem Wort "Faust" eine neue Bedeutung. Sein Werk "Faust, der Tragödie erster Teil", kurz einfach "Faust I", erscheint und gilt heute als das bedeutendste und meistzitierte Werk der deutschen Literatur.

Doch auch seine naturwissenschaftlichen Studien nimmt Goethe verstärkt wieder auf. Wie wachsen Pflanzen? Das will er herausfinden. Schon lange vor seiner Italienreise forscht er ausgiebig und ohne technische Hilfsmittel. Der Dichterfürst vertraut nur seinen Augen. Später wird er mit den Worten zitiert: "Der Mensch an sich selbst, insofern er sich seiner gesunden Sinne bedient, ist der größte und genaueste physikalische Apparat, den es geben kann." Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben: Ohne Medizin studiert zu haben, entdeckt er einen menschlichen Kieferknochen. Auch seine Farbenlehre ist bis heute bekannt.

Mit 82 stirbt Johann Wolfgang von Goethe schließlich an einem Herzinfarkt. Bis heute hält sich das hartnäckige Gerücht, dass seine letzten Worte "Mehr Licht!" gelautet haben.

Fazit: Johann Wolfgang von Goethe ist ein absolutes Universalgenie und bis heute einer der berühmtesten deutschen Schriftsteller. Trotz seiner wilden Jugend ist der Dichterfürst heute vor allem als älterer Herr, klug und vernünftig im Gedächtnis der meisten Menschen verankert.

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