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Fakten über Honecker - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 14 Staffel 1

Erich Ernst Paul Honecker: Kommunist, Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender der DDR.
Doch wussten Sie eigentlich, dass er als Kind Lokomotivführer werden wollte?

17.10.2016 14:07 | 5:35 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Kommunist, Politiker und Lokomotivführer

Honecker: Das Auf und Ab eines berühmten Politikers

Honecker, mit vollem Namen Erich Ernst Paul Honecker, ist vor allem als Kommunist, Generalsekretär und Staatsratsvorsitzender der DDR bekannt. Doch sein Leben verlief keinesfalls in geraden Bahnen.

Kindheit und Jugend

1912 erblickt Erich Honecker in Neunkirchen das Licht der Welt. Als Sohn eines Bergarbeiters wächst er auf, hat eine große Affinität zu Lokomotiven. Bereits im Alter von zehn Jahren wird er Mitglied der Kommunistischen Kindergruppe in Wiebelskirchen. Mit 14 tritt er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschland bei.

Doch sein Ausbildungsweg ist holprig. Ohne Schulabschluss arbeitet er zunächst zwei Jahre als Hilfsarbeiter auf einem Bauernhof in Pommern, wirft aber schlussendlich das Handtuch. Im Anschluss beginnt er bei seinem Onkel eine Lehre als Dachdecker, bricht diese aber ebenfalls kurz vor der Prüfung ab. Er bleibt ohne Abschluss.

Der Weg in die Politik

1930 betritt Honecker erstmals politisches Parkett und wird Mitglied in der KPD. Weil er sich den Kommunismus auf die Fahne geschrieben hat, flieht er aus Nazi-Deutschland nach Frankreich. Allerdings kommt er heimlich nach Berlin zurück und wird dort festgenommen. Wegen der Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei muss er eine zehnjährige Haftstrafe im Zuchthaus absitzen. 

Honecker und die Liebe

Im Gefängnis verliebt er sich in seine Aufseherin. Sie verhilft ihm schließlich zur Flucht. Am 6. März 1945 können beide aus dem Berliner Gefängnis entkommen. Einige Monate später heiratet Erich Honecker seine Wärterin und bekommt mit ihr eine Tochter. Insgesamt ist er dreimal verheiratet. Honecker erinnert sich angeblich nicht an seine erste Beziehung. Er selbst hält sich für einen "Spätzünder“, dessen erste große Liebe die Sowjetunion war.
Obwohl Honecker bei Weitem kein begnadeter Redner ist, schafft er es bis an die Spitze einer Einheitspartei. 1976 wird er sogar Oberhaupt seines Landes.

Im Alter von 81 Jahren stirbt Honecker in Santiago de Chile.
Im Alter von 81 Jahren stirbt Honecker in Santiago de Chile. © dpa

Geheime Vorlieben

Der Rittersporn ist seine Lieblingsblume. In Wandlitz, wo die Familie ein Haus mit sieben Zimmern bewohnt, schaut er sich am liebsten Tierfilme, Agentenstreifen und zwischendurch auch ein paar Sexvideos an. Er lebt kleinbürgerlich. Vieles importiert er aus dem Ausland, was eigentlich nicht erlaubt ist. Aber Honecker gönnt sich regelmäßig Annehmlichkeiten, die er seinem Volk verboten hat. Auch Kleidung vom „Klassenfeind“ gehört dazu. Die lässt er sich heimlich schicken. Damit das keiner merkt, trennt er die Labelnamen sorgfältig raus.
Auch wenn man es ihm nicht ansieht – gegessen hat Erich Honecker schon immer gern. Seine Lieblingsspeisen sind einfach und bleiben ein Leben lang gleich: gegrillte Wurst mit Kartoffelpüree, Makkaroni mit Tomatensoße und Kassler. Wenn es geht: jeden zweiten Tag.
Honecker hat einen leichten Schlaf und will es morgens im Bett sehr ruhig haben. Weil er sich von dem morgendlichen Lärm des Brötchenlieferanten gestört fühlt, lässt er extra ein Elektroauto anschaffen. Das liefert ab sofort die Frühstücksbrötchen täglich lautlos.
Seine Lieblingsbeschäftigung ist die Jagd – und das, obwohl Honecker Wildgerichte so gar nicht mag. Er hat einen eigenen Hochstand, der mit dickem Teppichboden ausgelegt ist, und besitzt eine Menge edler Waffen, die er von Staatsgästen aus aller Welt geschenkt bekommen hat – und trotzdem nutzt er am liebsten die Gewehre aus eigener Produktion. Jährlich gibt er 3,3 Millionen Mark für Wildfutter aus. Angeblich schießt er seine Beute aus dem Fahrzeug und direkt an den Futterplätzen ab. Bei Jägern ist das eigentlich verpönt. 

Amtszeit und das Ende der DDR

In seiner Amtszeit lässt der Politiker zwei Millionen Wohnungen bauen. Eine Leistung, auf die Honecker lange Zeit besonders stolz ist. Aber das Land steht vor der Pleite – so schlimm, dass nicht mal mehr Kaffee importiert werden kann. In der sogenannten Kaffeekrise Ende der 70er Jahre lässt Honecker einen mit Zichorie, Gerste und getrockneten Zuckerrübenschnitzeln gestreckten Muckefuck unter dem Namen "Kaffee-Mix" auf den Markt bringen. Von der Bevölkerung wird das Gebräu als "Erichs Krönung" verspottet.
Sein Volk muss er einsperren, damit es nicht davonläuft. Doch als die Mauer fällt, fällt auch er. Aus seinem Wohnsitz in Wandlitz muss er am 3. Januar 1990 fliehen. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits schwer krank. In seiner Rede zum 40. Jahrestag sagte Erich Honecker zwar noch: Wir weinen niemandem eine Träne nach, der das Land verlassen will, doch das muss er am Ende selber tun. 1993 flieht Erich Honecker nach Chile, wo er knapp ein Jahr später stirbt.

Fazit: Die Sowjetunion ist immer Erich Honeckers große Liebe gewesen. In seiner Jugend geht er keinen klassischen Ausbildungsweg, sondern kämpft sich bis zur politischen Spitze der DDR hoch. Doch dort erwarten ihn viele Herausforderungen. Flucht und Gefängnisstrafe sind zwei davon, doch während der Haft lernt er seine spätere Ehefrau kennen. Er ist maßgeblich am Bau der Mauer beteiligt, doch als diese fällt, ist seine Zeit gekommen. Er erkrankt schwer, und flüchtet nach Chile – und das sollte schließlich auch die letzte Etappe in seinem Leben sein.

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