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Fakten über Al Capone - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 17 Staffel 1

Schon während seiner Jugend steht Al Capone mit dem Gesetz auf Kriegsfuß. Später wurde er zum brutalen und gefürchteten Gangster-Boss und zum Millionär. Die schillernde Karriere eines Verbrechers, der die Öffentlichkeit suchte.

07.10.2016 12:55 | 5:33 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Die vielen Gesichter des "Paten"

Al Capone, der wohl berühmteste Gangsterboss der Welt

Er ist der "Pate" von Chicago und der wohl berühmteste Gangsterboss der amerikanischen Geschichte: Al Capone. Wussten Sie eigentlich, dass er die erste Suppenküche für Arme in den USA ins Leben rief? 2.500 Dollar gibt Al Capone dafür täglich aus. So will er sein angekratztes öffentliches Image aufpolieren.

"Al" steht für Alphonse

Am 17. Januar 1899 kommt Al Capone unter dem bürgerlichen Namen Alphonse Gabriel Capone als vierter Sohn einer neapolitanischen Einwandererfamilie in Brooklyn (New York) zur Welt. Insgesamt hat der Junge sechs Brüder und zwei Schwestern. Obwohl er sich schon als Kind durch besondere Intelligenz auszeichnet, schwänzt Capone als Jugendlicher oft die Schule, verlässt sie in der achten Klasse schließlich ganz. Auch aus dem Traum vom Baseballstar wird trotz der ausgesprochenen Sportlichkeit des jungen Al Capone nichts. Den Baseballschläger wird er später trotzdem einsetzen – allerdings nicht zum Spielen.

Trotz kleinerer Jobs als Kegeljunge, in einer Munitionsfabrik und in einer Buchbinderei, kommt Al Capone zunehmend auf die schiefe Bahn, ist immer öfter mit Gangs in Brooklyn unterwegs. Er schließt sich den "Brooklyn Rippers" und den "Forty Thieves Juniors" an und verdient sein Geld durch das Erpressen von Schutzgeld. Die Straße sei seine wahre Schule gewesen – sagt der "Pate" später.

Als Al Capone 15 Jahre alt ist, nimmt der berühmte New Yorker Gangsterboss Frankie Yale ihn unter seine Fittiche, stellt ihn als Rausschmeißer und Barkeeper ein. Yale ist Capones großes Vorbild. Von ihm lernt er das „Gangster-Handwerk“ und begreift schon früh, dass Brutalität und Rücksichtslosigkeit allein nicht ausreichen, um erfolgreich im Geschäft zu bleiben.

Al "Scarface" Capone

Doch Alphonse Capone ist nicht nur Gangster, sondern auch Aufreißer. Als er eines Tages in der Bar "Red Hook" in Brooklyn zur Schwester eines Gastes sagt, dass sie einen süßen kleinen Hintern hat, kommt es zur Messerstecherei. Frank Gallucio zieht dem Frauenheld das Messer übers Gesicht, verpasst ihm insgesamt drei Wunden – und begründet auf diese Weise auch den berühmten Spitznamen des späteren Gangsterbosses: Scarface, Narbengesicht. Trotzdem versucht Capone nie, sich an dem Raufbold zu rächen. Er respektiert das Verhalten Gallucios und sieht es als gerechtfertigt an, da dieser nur seine Schwester beschützen wollte. Später gibt der "Pate" ihm sogar mehrere Jobs, stellt den New Yorker unter anderem als seinen Bodyguard ein.

In der Öffentlichkeit behauptet Al Capone, die Narben stammen aus dem Ersten Weltkrieg – obwohl er in Wahrheit nie Mitglied der Armee war. Er ist eitel. Immer hat er Puder dabei, um seine Narben abzudecken. Und: Er lässt sich nie von links fotografieren.

Al Capone ist eitel. Der Gangsterboss lässt sich grundsätzlich nie von links...
Al Capone ist eitel. Der Gangsterboss lässt sich grundsätzlich nie von links fotografieren.

Mit Grips zum Erfolg

Al Capone ist cleverer als die meisten Kriminellen: Er führt ein Doppelleben. Eine kleine Familie gehört genauso zu seinem Saubermann-Image wie ein Antiquitätengeschäft. Er lässt sich ins Branchenbuch eintragen und hat sogar Visitenkarten. Auch die Presse weiß der Italoamerikaner geschickt für sich einzunehmen. Anders als andere Gangster, die die Kameras meiden und Journalisten bedrohen, geht Capone freundlich mit den Medien um und wirft sich bereitwillig in Pose. So wird er zum wohl meist fotografierten Verbrecher der Welt.

Auch die Sympathien der Öffentlichkeit sichert sich der Gangsterboss durch geschicktes Kalkül. Als beispielsweise am 20. September 1926 ein Mordanschlag auf ihn verübt wird, übernimmt er die Krankenhausrechnung für zwei unbeteiligte Verletzte.

Luxusleben und Bandenkriege

Al Capone liebt den Luxus. Die Zigarre und ein Brillantring am kleinen Finger – das sind seine Markenzeichen. Einen gepanzerten Cadillac hat er ebenso wie eine Luxusvilla in Florida. Doch für diesen exklusiven Lebensstil braucht er Geld. 1919 bekommt er die Gelegenheit, eine Menge Scheine zu machen.

Ein neues Gesetz verbietet die Produktion und den Verkauf von Alkohol im ganzen Land. Die sogenannte Prohibition ist eine Goldgrube für Al Capone. In Chicago braut er Schnaps und Bier ab sofort heimlich, und verkauft ihn teuer in sogenannten Speakeasies, den Flüsterkneipen. Eigentlich illegal – doch die Polizei geht dort genauso ein und aus wie der Bürgermeister hochpersönlich. Jeder wird bestochen und drückt für ihn ein Auge zu. Insgesamt verdoppelt sich in der Zeit der Prohibition der Alkoholkonsum in den USA sogar.

Doch andere Gangster wollen auch ein Stück vom Kuchen abhaben. Im Hintergrund der Alkoholgeschäfte kommt es daher zu blutigen Bandenkriegen. Ein Aberglaube der Mafia: Kugeln, die in kochendes Zwiebelwasser getaucht und dann mit Knoblauch eingerieben werden, sollen besonders gut töten. Doch die eigentliche Gefahr ist die neue Lieblingswaffe der Gangster: Maschinengewehre. Sein Leben lang fühlt sich Al Capone bedroht und verfolgt. Daher wohnt er in seinem eigenen Hotel – dort gibt es viele Geheimgänge und Fluchtmöglichkeiten.

Der "Pate" auf dem Gipfel der Macht

1925 übernimmt Al Capone das Imperium seines Bosses. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere verdient er mit Glücksspiel, Prostitution und dem Verkauf von Alkohol jährlich 95 Millionen Dollar. Er kontrolliert ganz Chicago und obwohl er ein Gangster ist, lieben ihn die Menschen – auch weil Capone spendabel ist. Als die Weltwirtschaftskrise in Amerika wütet, eröffnet er die erste Suppenküche der USA, lässt sich die Speisung der Armen täglich 2.500 Dollar kosten und erkauft sich so etwas noch viel Wertvolleres: die Sympathien der Öffentlichkeit.

Auch in Gangsterkreisen genießt der "Pate" einen überaus guten Ruf, zeigt er sich seinen Partnern gegenüber doch stets sehr loyal. Der als kaltblütig geltende Aufsteiger erwartet diese Solidarität allerdings im Gegenzug auch von anderen. Als er von einem Informanten erfährt, dass ein paar seiner engsten Vertrauten sich gegen ihn verschworen haben, holt er zum Gegenschlag aus: Al Capone gibt ein Essen, bei dem die Verräter seine Ehrengäste sind. Zuvor werden allen Anwesenden die Waffen abgenommen, wie es bei solchen Treffen üblich ist. Doch zu später Stunde holt er einen Baseballschläger heraus und tötet die Verräter. Nachweisen kann man ihm die Morde nicht – so wie all seine illegalen Machenschaften.

Erst 1929 wandert Capone zum ersten Mal ins Gefängnis.
Erst 1929 wandert Capone zum ersten Mal ins Gefängnis.

Der tiefe Fall des Al Capone

Erst als bei einer Schießerei aus Versehen ein Staatsanwalt stirbt, geht Al Capone zu weit. Der amerikanische Präsident muss handeln und der beliebte Gangsterboss wandert hinter Gitter. Nach acht Jahren wird der "Pate" wegen guter Führung aus der Haft entlassen, doch er kommt als gebrochener und armer Mann nach Hause. Wahnvorstellungen und Panikattacken suchen ihn heim. Mit nur 48 Jahren stirbt er schließlich an einer Lungenentzündung.

Fazit: Al Capone ist ein Mann mit vielen Gesichtern: Unterweltboss, Wohltäter, Geschäftsmann, Mörder und Staatsfeind Nummer 1. Der Gangsterboss lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken. Auf einen unvergleichlichen Aufstieg aus ärmsten Verhältnissen folgt am Ende ein umso tieferer Fall. Bei seinem Tod ist der ehemalige Millionär so arm, dass sein Bruder die Kosten der Beerdigung übernehmen muss.