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Der Maya-Kalender – Was steckt dahinter?

Die Maya-Kultur gehört zu den faszinierendsten Hochkulturen der Antike. Ihre wichtigste Quelle ist der Maya-Kalender, der bis zur Ankunft der Spanier 1500 genutzt wird: Ein astronomisches Schriftstück, das viel verrät: Über die Maya-Kultur, die Zeitrechnung und den vermeintlichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012. Alles über den rätselhaften Kalender erfahren Sie hier.

Der Maya-Kalender

Die Maya – die rätselhafte Hochkultur der Yucatán Halbinsel

Woher stammt der Maya-Kalender? Die Kultur der Maya konzentriert sich auf die Yucatán-Halbinsel. In ihrer Blütezeit zwischen 400 und 900 n. Chr. entstehen einzigartige Siedlungen wie Chichén Itzá und Palenque. Städte mit bis zu 75 Meter hohen Stufenpyramiden, Palästen, Observatorien und Ballspielplätzen. In diesen Städten leben bis zu 100.000 Menschen – Paris oder London sind zu diesem Zeitpunkt kleine Dörfer. Die Maya sind Meister der Landwirtschaft sowie des Kunsthandwerks und verstehen sich erstklassig auf die Bearbeitung von Stein, Keramik, Holz und Textilien.

Trotz dieser Leistungen sind es andere Fähigkeiten der Maya, die das rätselhafte Volk zu Beginn des 21. Jahrhunderts weltberühmt machen. Es sind komplexe astronomische und mathematische Beobachtungen, die zu dieser Zeit als nahezu beispiellos gelten. Berechnungen, die in einem hochkomplexen Zeitmesser gipfeln, welcher der Schlüssel zum Verständnis dieser Kultur ist: Der Maya-Kalender.  

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So funktioniert der Maya-Kalender

Genau genommen besteht der Maya-Kalender aus drei unterschiedlichen Kalendersystemen, die jeweils einem Zweck dienen und einander ergänzen: Der Tzolkin-Kalender für rituelle Zwecke, der zivile Haab-Kalender und die Lange Zählung, die für lange Zeiträume und historische Aufzeichnungen eine wichtige Rolle spielt.  

Tzolkin-Kalender: Ritualkalender 

Der Tzolkin-Kalender ist der älteste Bestandteil der dreifachen Zählung des Maya-Kalenders und dient der Festlegung von Zeremonien und religiösen Feiern, die eng mit Agrarperioden verbunden sind. Er besteht aus einer einfachen Abfolge von 260 Tagen, bei der jeder Tag aus zwei unterschiedlichen Bestandteilen besteht: Einer Zahl zwischen 1 und 13, die einen Monat des Tzolkin widerspiegelt sowie einem von 20 Tagesnamen, der jeweils einem Tag innerhalb des Tzolkin-Monats entspricht und einen Schutzgott benennt. Ein Tzolkin-Datum bezeichnet also immer einen ganz bestimmten Tag in einem Zeitraum von 260 Tagen. Es kann beispielsweise 4 K’an oder 13 Muluk heißen.

Der Ursprung dieser Zählung ist verflochten mit der Agrarperiode des Maisanbaus. Die Zählung umfasst den gesamten Erntezyklus von der Aussaat bis zur Ernte, wobei jeder Schritt bis zur Ernte den Tagesnamen „K’an“, Mais, enthält. Ein weiteres interessantes Detail im Maya-Kalender ist, dass die Anzahl der Schutzgötter stellvertretend für die Summe von Fingern und Zehen steht, während sich die Ziffer 13 aus der Anzahl der menschlichen Hauptgelenke herleiten lässt. Diese Kombination mag auf den ersten Blick zufällig und befremdlich erscheinen, spiegelt aber auf eine besondere Weise das Selbstverständnis und den Schöpfungsmythos der Maya wieder: Das Volk versteht sich als aus Mais geschaffene Kreaturen.

Haab-Kalender –  Der Maya-Kalender für den Alltag 

Der Haab diente dem mesoamerikanischen Volk zu zivilen Zwecken. Allen voran der Berechnung der Saat- und Erntezeiten. Der Haab im Maya-Kalender ähnelt dem heutigen julianischen Kalender, da er mit genau 365 Tagen ein Sonnenjahr umfasst. Allein die Aufteilung ist eine andere. Das Jahr der Maya unterteilt sich in 18 Monate zu je 20 Tagen (0-19) und dem 19. Monat mit den verbleibenden fünf Tagen, den sogenannten Unglückstagen (0-4). Der 19. Monat heißt Uayeb, was so viel wie Ruhe oder Schlaf bedeutet. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Tage rituellen Zwecken dienten, während alle weiteren Aktivitäten an diesen „gefährlichen Tagen“ ruhen sollten. 

Bei der Tageszählung laufen die Tage bis 20 und die Monate bis 19 kontinuierlich. Das Datum für den 15. Tag des dritten Monats lautet beispielsweise „15 Zip“. Eine Besonderheit ist, dass die Zählung der Tage und Monate nicht bei Eins, sondern bei Null beginnt. Dadurch erhält sie eine besondere Stellung, da sie immer den Beginn eines Monats ankündigt.  

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Maya-Kalender: Die lange Zählung für Astronomie & Geschichte

Die lange Zählung der Maya ist für Außenstehende der komplizierteste Teil des Kalendersystems. Er wird für astronomische Berechnungen und historische Aufzeichnungen herangezogen – Berechnungen, für die Haab und Tzolkin allein nicht ausreichen. Der Tzolkin umfasst 260 Tage, der Haab entspricht dem Sonnenjahr mit 365 Tagen. Die Kombination des Tzolkin mit dem Sonnenjahr führt zu einer Periode von 52 Jahren. Denn nach 18.980 Tagen, also 52 Solarjahren, fallen ein bestimmtes Haab-Datum und ein Tzolkin-Datum erstmals wieder zusammen. So ist es nicht möglich, innerhalb eines Zeitraums von mehr als 52 Jahren ein bestimmtes Datum eindeutig zu benennen. Diesem Problem begegnet der Maya-Kalender mit einem dritten System, dem Kalender der langen Zählung.

Die lange Zählung enthält eine Tageszählung mit einer Periode von 1.872.000 Tagen, womit die exakte Bestimmung eines Datums innerhalb von 5.125 Jahren möglich ist. Für die Kalenderangaben nutzt das Volk – wie auch bei Haab und Tzolkin – ein abgewandeltes Zwanzigersystem, wobei die einzelnen Stellen von 0-19 angegeben werden. Und da die letzte Stelle der langen Zählung jeweils 20 Tage zählt, stellt diese Zählung eine eindeutige Zuordnung zu den 20 Tagesnamen des Tzolkin-Kalenders dar.

Zwanzig Tage (K’in) der langen Zählung sind ein Uinal, 18 Uinal sind ein Tun, 20 Tun sind ein K’atun, 20 K’atun sind ein Baktun. Ein Baktun macht genau 20 mal 18 mal 20 mal 20 – also gleich 144.000 Tage (circa 394 Jahre). Hinzu kommen zwei weitere Ziffern, die jeweils das Haab- und das Tzolkin-Datum bezeichnen. Die Schreibweise kann also lauten: 13.0.0.0.0. 4 Ahau 8 Cumku. Umgerechnet ist dies der 11. August 3114 v. Chr., das Schöpfungsdatum der Maya, mit dem der Kalender der langen Zählung beginnt. Dass die Zählung nicht mit 0 beginnt, hat mit der besonderen religiösen Bedeutung der Ziffer 13 zu tun. Daher beginnt nach 13 Baktun die lange Zählung wieder von vorne, also nach genau 1.872.000 Tagen, am 21. Dezember 2012.   

Der Maya-Kalender und der Weltuntergang

Das Datum des 13.0.0.0.0. der langen Zählung ist daher nicht nur für die Schöpfungsgeschichte der Maya besonders interessant, sondern auch für Apokalyptiker. Für die Maya wäre diese Konstellation nach 5.125 Jahren mindestens von ritueller Bedeutung gewesen. Beweise für das Ende der Welt gibt es bei dieser Hochkultur nicht. Im Gegenteil, sie hat wichtige Ereignisse bis weit in die Zukunft im Maya-Kalender datiert, wie zum Beispiel ein Thronjubiläum im Jahr 4772 n. Chr.

Schaut man außerdem genau auf das Datum des 21. Dezembers 2012, fällt auf, dass sich jeweils die letzte Stelle, das Haab-Datum, voneinander unterscheidet. Das Schöpfungsdatum lautet 13.0.0.0.0. 4 Ahau 8 Cumku, der 21. Dezember 2012 trägt den Namen 13.0.0.0.0. 4 Ahau 3 Kankin. Während es sich im Jahr 3114 v. Chr. um den achten Tag im 18. Monat (Cumku) handelt, gehen die Maya beim 21. Dezember 2012 vom dritten Tag des 14. Monats (Kankin) aus.

Wie bei Haab- und Tolzkin-Kalender besitzt auch die Lange Zählung einzelne Wegmarken wie den 21. Dezember 2012. Ganz ähnlich wie beim 31. Dezember 1999, mit dem eine Epoche endet. Für beide Zeitrechnungen gilt: Eine Periode endet, eine neue beginnt. Die Weltuntergangshysterie um den 21. Dezember ist nur eine Fehlinterpretation des Maya-Kalenders.

Der Untergang der Maya-Hochkultur

Untergegangen ist nicht die gesamte Welt, doch die faszinierende Welt der Maya der Yucatán-Halbinsel. Die hochgebildeten Astronomen, Mathematiker und Landwirtschaftler verschwinden um 900 n. Chr. plötzlich. Sie geben ihre Städte auf, beenden den Bau von großen Werken und leben heute als indigene Völker in Mittelamerika. Eine Aufzeichnung eines Datums der Maya, die den eigenen Untergang datiert, gibt es im Maya-Kalender nicht 

Fazit: Der Maya-Kalender ist eines der kompliziertesten Kalendersysteme der Welt. Doch mit seiner Hilfe lassen sich unterschiedliche Dinge besonders präzise festhalten, die anders nicht vorherzusagen gewesen wären. Besonders bei der Ernte oder den Festtagen gibt er Aufschluss.

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