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Fakten über Curry - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 70 Staffel 1

Wussten Sie eigentlich, dass die Deutschen rund 800 Millionen Currywürste im Jahr essen? Aber was ist Curry, das gelbe Pulver, das der Wurst den Namen gibt, denn eigentlich?

17.10.2016 14:28 | 5:26 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Curry: Ursprung, Definition und Verwendung

Wussten Sie eigentlich, dass die Deutschen rund 800 Millionen Currywürste im Jahr essen? Aber was ist Curry, das gelbe Pulver, das der Wurst den Namen gibt, denn nun? Das und mehr erfahren Sie hier.

Auf der Suche nach dem Curry

Auf der Suche nach einer Definition reisen wir in das Ursprungsland des Currys: nach Indien – in die Hauptstadt Neu-Delhi. Auf dem Gewürzmarkt in der Altstadt sollten wir fündig werden. Er gilt als der weltweit größte Umschlagplatz für Gewürze aller Art. Doch zunächst stoßen wir nur auf Blumen ... Diese Farbe erinnert schon mal stark an unser gelbes Currypulver, doch die Blumen, die hier verkauft werden, sind nicht zum Würzen. Aus den Blüten und Blättern flechten die Einheimischen Gebetskränze als Opfergaben für ihre Götter. 

Also suchen wir weiter nach unserem Curry und bitten einen Passanten um Hilfe. Der kennt ein Restaurant, wo es besonders gutes Curry gibt. Moment mal, ein Restaurant? Werden in Indien Gewürze im Restaurant verkauft? Der Passant erklärt: "Das ist Ratschma Curry, das ist sehr gut – ihr könnt es hier probieren. Das ist noch ein anderes Curry." Hier löst sich ein erstes europäisches Missverständnis auf: Curry steht in Indien nicht für ein Gewürz, sondern für Eintopf – das Wort stammt von "kari", was in Indien "Sauce" bedeutet. Trotzdem machen Gewürze das A und O eines Curry-Eintopfs aus – aber welche? Vielleicht doch unser gelbes Currypulver?

Wir machen uns auf die Suche nach dem riesigen Gewürzmarkt und folgen den vollbeladenen Karren. Tatsächlich sind die Säcke prall gefüllt mit Gewürzen und die Arbeiter ziehen sie, wie vor hunderten von Jahren, per Hand zu den Großhändlern. Hier auf dem Khari-Baoli-Basar findet das große Geschäft mit den Gewürzen statt. Auf den ersten Blick sieht man ihm die Wirtschaftskraft nicht an, dabei wird hier mit großen Summen gehandelt. 44 Prozent aller weltweit importierten Gewürze stammen aus Indien. Doch unser gelbes Currypulver haben wir leider immer noch nicht gefunden.

Gelbes Currypulver
Unser Currypulver scheint in Indien niemand zu kennen.

Wir versuchen unser Glück in den angrenzenden kleinen Geschäften im Gassengewirr. Was wir steril verpackt und vorwiegend in Pulverform aus Supermarktregalen kennen, wird hier in offenen Schalen zum Anfassen angeboten. Und: Es blitzt uns etwas an, das uns von der Farbe schon mal stark an unser Currypulver aus Deutschland erinnert. Wir fragen den Gewürzhändler, ob er unser Currygewürz verkauft, doch auf ihn wirkt unser Pulver erst mal sehr exotisch: "Da ist viel Knoblauch drin – nein, das schmeckt mir nicht." Andere Händler sehen es ähnlich. Unser Curry-Pulver ist bei den Indern völlig unbekannt und kommt auch geschmacklich nicht gut an. Doch das gelbe Gewürz, genannt Kurkuma – auf Deutsch: Gelbwurzel –, gibt unserem Currypulver tatsächlich die Farbe. Und auch in indischen Curryeintöpfen fehlt diese Wurzel nie.

Indisches vs. deutsches Curry

Doch was steckt sonst noch im deutschen Currypulver? Vielleicht erfahren wir mehr, wenn wir wissen, wie die Inder ihre Currygerichte würzen. Ein Einheimischer klärt uns auf: "Im indischen Essen haben wir einige Basis-Zutaten drin, das sind Kreuzkümmel, Koriander, schwarzer Pfeffer, grüner Kardamom, Kurkuma, schwarzer Kardamom, getrocknete Mango, Nelken – und dazu noch rote Chilis, die geben auch einen wichtigen Geschmack im indischen Curry." Die Chilischoten liefern nicht nur das Aroma, sondern auch die berühmt berüchtigte Schärfe im indischen Curryeintopf – im Gegensatz dazu ist unser Currypulver extrem mild.

Curry: Indischer Eintopf mit vielen Gewürzen
Indisches Curry ist ein Eintopf mit vielen verschiedenen Gewürzen, unter anderem Kurkuma, das dem Gericht seine typische Farbe gibt.

Das Verrückte an unserem Standard-Päckchengewürz ist: Keiner kennt es in Indien, keinem schmeckt es hier. Aber: Unser Currypulver wird in Indien hergestellt – natürlich nur für den Export. Doch wie kam es dazu und woher stammt das Currypulver jetzt eigentlich?

Das Currypulver und sein Ursprung

Als die Briten in Indien Kolonialherren waren, haben ihnen die exotischen Gewürzmischungen des Landes sehr gut geschmeckt. Allerdings stellten die Inder damals wie heute für jedes Gericht von neuem eine komplizierte Gewürzmischung her. Die Briten waren damit überfordert. Daher kreierten sie eine Standardmischung, die in großen Mengen herstellbar war und mit dem europäischen Gaumen gut verträglich ist. Das bedeutete: weniger Chili und weniger exotische Gewürze – so begann der Siegeszug des gelben Standard-Pulvers in Europa.

Fazit: Curry ist nicht gleich Curry. Denn das gelbe Pulver, wie wir es kennen, gibt es so im Ursprungsland des Gewürzes, in Indien, nicht. Hier steht "Curry" nicht für eine Gewürzmischung, sondern für einen Eintopf mit vielen exotischen Gewürzen. Ein fertiges Pulver hingegen sucht man hier vergebens. Der kulinarische Klassiker wird nämlich jedes Mal mit frischen Gewürzen ganz individuell zubereitet – für Europäer viel zu scharf und kompliziert. Britische Kolonialherren erfanden daher einst das Currypulver.