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Fakten über Besteck - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 86 Staffel 1

Messer, Gabel, Löffel – das ist das Essbesteck in der westlichen Welt. In anderen Ländern werden zum Essen Stäbchen - oder die Hände bevorzugt.

17.10.2016 14:23 | 5:17 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

So wird Besteck produziert

Besteck ist für uns etwas Alltägliches. Aber wie wird es eigentlich hergestellt und wie sieht es in anderen Kulturen aus?

"Den Löffel abgeben"

Messer, Gabel, Löffel – das ist das Besteck in der westlichen Welt. In anderen Ländern werden zum Essen Stäbchen oder die Hände bevorzugt. Doch wussten Sie eigentlich, dass alle Kulturen den Löffel gemeinsam haben? Seine Form hat er von einer schöpfenden Hand. Er ist sozusagen das Urbesteck. Schon die Steinzeitmenschen kannten ihn. Ein richtiges Messer hatten sie dafür nicht, sondern nur einen Steinkeil. Ab dem Mittelalter hatte jeder seinen eigenen Löffel. Er wurde im 19. Jahrhundert sogar weitervererbt. Der Tote gab – im wahrsten Sinne des Wortes – den Löffel ab.

Das Rohmaterial

Ihren Ursprung hat die Herstellung von Besteck in Solingen. Seit dem Mittelalter gilt die Stadt als Besteckhochburg Deutschlands. Die Firma "Picard und Wielpütz" verarbeitet jeden Tag 800 Kilogramm Edelstahlrolle zu 9.000 Löffeln oder Gabeln.

Früher bestand Besteck aus normalem Stahl oder Silber. Der Nachteil: Stahl rostet und Silber läuft schwarz an. Deshalb ist heute Edelstahl Standard.

Besteck-Set bestehend aus Messer, Gabel und Löffel
Messer, Gabel, Löffel – Das ist das Besteck der westlichen Welt.

So wird Besteck hergestellt

Der erste Schritt zum Besteck: Die richtige Form! Ganze 100 Tonnen Gewicht sind nötig, um aus dem harten Edelstahl Besteckrohlinge zu stanzen: Die sogenannte Brandel. "Man kann sich das vorstellen wie ein Messer oder eine Schere. Das ist praktisch das Messer und das fährt durch diesen Durchbruch und schneidet so die Teile aus", erklärt Experte Rainer Hoppe.

Und zwar 44 Rohlinge pro Minute. Der Ausschuss landet nicht im Müll. Er wird eingeschmolzen und wieder zu Besteck verarbeitet. Die fertigen Rohlinge sind zunächst noch viel zu dick. Nämlich 3,5 Millimeter. „Wenn man sich das vorstellt, 3,5 Millimeter Material in den Mund zu stecken, das ist sehr unangenehm. Auch von der Balance her, wenn ich den Löffel oder die Gabel in der Hand halte, ist es sehr unausgewogen“, so Rainer Hoppe.

Vom Rohling zum Urbesteck

Klar, das Besteck wäre vorn sehr schwer – erst recht, wenn das Essen draufliegt. Also Abspecken! Die Walze verdünnt die Rohlinge auf bis zu 1,5 Millimeter. Aber wie genau soll daraus Besteck werden? Das passiert an der Prägestanze. Ein Mitarbeiter legt dort den platten Besteckrohling in die Maschine ein. 360 Tonnen wirken auf den Rohling. Über 40 verschiedene Modelle kann die Maschine so ausspucken. Und voilà: Fertig ist das Urbesteck.

Der Gabelrohling wird genauso gefertigt wie der Löffelrohling. Er sieht nur eher aus wie ein Spachtel. Ihre Form bekommt die Gabel erst später. Eine Maschine verpasst ihr das typische Erkennungsmerkmal: vier Zinken. Erst schneidet die Maschine die mittigen Zinken aus und dann die Äußeren. Der Grund: Das Material würde sich sonst verziehen.

Als Nächstes wird die Gabel poliert. Das übernimmt die sogenannte "Krake". Acht Arme halten jeweils 36 Gabeln. Rotierende Baumwollwalzen polieren das Besteck mit Fett glänzend. Nach gerade einmal 30 Sekunden strahlen die Gabeln. Aber fertig sind sie noch nicht. Denn anschließend geht es weiter zur Waschstraße. Die reinigt mit Wasser und Ultraschall. Das sind hochfrequente Schwingungen, die wie kleine Bürsten wirken. "Ultraschall bewegt die Teile noch ein bisschen, damit sich das Fett leichter löst. Ultraschall und Hitze viel mehr passiert da nicht", meint Experte Rainer Hoppe.

Essstäbchen in einem Glas
Andere Länder, andere Sitten: In einigen Ländern werden zum Essen Stäbchen bevorzugt.

Qualität hat ihren Preis

Bevor das Besteck die Fabrik jedoch verlässt, macht es noch einen letzten Abstecher zur Qualitätskontrolle. Und da ein 72-teiliges Besteckset bis zu 600 Euro kosten kann, geht es deswegen auch schon bei kleinen Mängeln am Besteck zurück zum Einschmelzen. Gibt es aber nichts zu beanstanden, wandern pro Jahr rund zwei Millionen Löffel und Gabeln von Solingen aus in die ganze Welt.

Fazit: Das Besteck, das bis ins Steinzeitalter zurückreicht und dessen Bezeichnung daher rührt, ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Ob Messer, Gabel, Löffel oder Essstäbchen, Besteck kann sich von Kultur zu Kultur unterscheiden.