Themen-Spezial

Playlist

Themen-Spezial

Eine kleine Geschichte des Reisens und des Urlaubs

Folge 7 Staffel 2

Der Mensch ist schon immer gereist, doch wie er den Weg zurücklegt, hat sich über Jahrhunderte drastisch geändert. Nicht zuletzt ist die Geschichte des Reisens auch immer die Geschichte des Urlaubs, wie wir ihn heute kennen.

17.03.2017 17:19 | 10:06 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Eine kleine Geschichte des Reisens und des Urlaubs

Nicht zuletzt ist die Geschichte des Reisens auch meistens die Geschichte des Urlaubs. Der Mensch ist schon immer gereist. Doch wie er den Weg zurückgelegt, das hat sich über die Jahrhunderte drastisch geändert.

Zur Geschichte des Reisens und des Urlaubs – Mittelalter vs. 60er-Jahre

Wussten Sie eigentlich, dass die Menschen vor 500 Jahren auch schon mit Landkarten reisten und dass es in den 60er-Jahren für viele mit nur 85 Kilometer die Stunde Höchstgeschwindigkeit über die Landstraßen in den Urlaub ging? Wie die Menschen vor circa fünfzig und vor fünfhundert Jahren gereist sind, das erfahren Sie hier.

Die Geschichte des Reisens im Mittelalter

Vor 500 Jahren waren die meisten Menschen, was die Geschichte des Reisens und des Urlaubs betrifft, Selbstversorger und konnten ihr Haus und ihren Hof nicht einfach so ohne jeglichen Grund verlassen. Der Glaube spielte in dieser Zeit zudem eine zentrale Rolle. Für die einfachen Bürger waren aus diesem Grund friedliche Pilgerfahrten der häufigste Grund für eine Reise. Im Gegensatz zu heute waren Reisen vor 500 Jahren äußerst lang und beschwerlich.

Für die Menschen im Mittelalter war der Glaube der häufigste Grund, sich auf...
Für die Menschen im Mittelalter war der Glaube der häufigste Grund, sich auf Reisen zu begeben.

Die Geschichte des Reisens in den 60er-Jahren

Erholung war in den 60er-Jahren mit Abstand der wichtigste Grund, auf Reisen zu gehen. Am Strand liegen und Sonne tanken - das war schlichtweg der perfekte Urlaub für viele. Wussten Sie eigentlich, dass man von Süddeutschland nach Rimini in den Sechzigern einen ganzen Tag benötigte? Navigationsgeräte gab es damals natürlich noch nicht. Man orientierte sich lediglich mit einer Straßenkarte.

Reisen war damals in den 60er-Jahren dank des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland erschwinglich. Viele konnten sich auch schon kleine Autos leisten. Zu den beliebtesten Urlaubszielen in der Heimat gehörten der Schwarzwald, die Alpen und die Nord- und Ostsee. Im Ausland waren es Österreich und Italien. Dafür mussten die deutschen Urlauber über die Alpen kommen. Kein Problem, denn im Gegensatz zum Mittelalter sind die Passstraßen in den 60er-Jahren schon asphaltiert.

Orientierung und Navigation im Mittelalter

Auch vor 500 Jahren gab es laut der Geschichte des Reisens und des Urlaubs schon Landkarten, zum Beispiel die "Tabula Peutingeriana" oder die so genannte "Romweg-Karte" aus dem Jahr 1500 – eine der ältesten Straßenkarten von Mitteleuropa. Auf ihr waren bereits wichtige Kreuzungen, Raststätten und die Entfernungen zwischen den Städten angegeben.

Aber auch der Himmel wies vor 500 Jahren Menschen den Weg. Die Sonne zeigte ihnen die Himmelsrichtung an, nachts halfen die Sterne. Bei bewölktem Wetter half dieses Wissen den Reisenden allerdings nicht weiter.

Die Ortskenntnis der Einheimischen war im Mittelalter übrigens das beste Navi! Die Gegenden waren allerdings nur spärlich besiedelt. Doch es gab einen Trick, der auch heute noch funktioniert: die Natur als Wegweiser. Die moosige Seite eines frei stehenden Baumes bekommt weniger Sonne ab – sie zeigt nach Norden. Und die Äste auf der windgeschützten Ostseite des Baumes sind meist länger. Bäche und Flüsse sind damals wie heute Fluch und Segen zugleich. Die Wasserläufe halfen den Pilgern im Mittelalter durchaus bei ihrer Orientierung, denn sie waren auf den alten Karten verzeichnet. Aber: Sie konnten schnell auch zu unüberwindbaren Hindernissen werden. Den richtigen Weg zu finden – im Mittelalter war das eine große Kunst.

In den 60er-Jahren konnten sich viele auch schon kleine Autos leisten.
In den 60er-Jahren konnten sich viele auch schon kleine Autos leisten.

Der Grundstein des modernen Straßensystems

In den Sechzigern reiste man schon wesentlich komfortabler. Aber ein flächendeckendes Autobahnnetz gab es der Geschichte des Reisens und des Urlaubs zufolge noch nicht. Wussten sie eigentlich, dass es für die meisten mit einer Höchstgeschwindigkeit von nur 12 PS und 85 Kilometer die Stunde über Landstraßen in den Urlaub ging? Damals waren noch langsamere Fahrzeuge echte Straßensperren.

Klar waren Autobahnen vor 500 Jahren unvorstellbar. Trotzdem sind die alten Wege der Grundstein des modernen Straßensystems. Die Straßenverhältnisse damals waren aber sehr bescheiden. Das Reisetempo war natürlich Schrittgeschwindigkeit. Etwa 40 Kilometer legte ein Pilger an einem Tag zurück – so viel wie ein Auto heute in einer halben Stunde.

Vom Wegzoll zur Maut

Viele unserer heutigen Straßen folgen den alten Routen. Wo heute die Brennerautobahn entlang führt, gab es schon im Mittelalter einen Weg: den "Kuntersweg". Auch damals schon war diese Route, wie die heutige Brennerautobahn, nicht umsonst. Den Wegzoll gab es in Europa tatsächlich bereits seit dem 11. Jahrhundert. Er ist die Grundlage für die heutige Mautgebühr.

Weg- und Brückenzölle waren Abgaben an den jeweiligen Grundherrn. Damals beteiligten sich die Reisenden mit der Zahlung der Maut an der Instandhaltung der Straße – genauso wie heute. Umwege waren nicht erlaubt, denn für die Reisenden galt Straßenzwang. Doch hätten sie das erwartet: Pilger waren von den Abgaben befreit. Ein großes Privileg.

Als die Fernreise noch Luxus war

Wussten Sie eigentlich, dass Fernreisen in den 60er-Jahren, was die Geschichte des Reisens und des Urlaubs betrifft, für Normalverdiener viel zu teuer waren? Zum Beispiel kostete eine Woche Griechenland, all inclusive, in den Sechzigern mehr als einen Netto-Monatslohn. Ein männlicher Arbeitnehmer verdiente Anfang der sechziger Jahre im Durchschnitt 590 DM. Bis Ende der 60er-Jahre verdoppelte sich das Einkommen auf 1.290 DM. Damals fand das Familienleben vor allem im Urlaub statt, denn der Samstag war noch ein Arbeitstag.

Übrigens: In den 60ern waren die Gefahren auf Reisen meist technischer Natur. Die Isetta war luftgekühlt – bei anderen Autos war hingegen kochendes Kühlerwasser ein häufiger Grund für eine Panne. Gerade die Bergauf- und Abfahrten waren für die damaligen Autos eine Tortur. Handys gab es in den 60ern natürlich noch nicht. Die Urlauber konnten nicht mal schnell einen Pannendienst rufen. Wer liegen blieb, musste auf fremde Hilfe hoffen. Und das konnte auch schon mal länger dauern.

Fernreisen – etwa nach Griechenland – galten in den 60er-Jahren noch als Luxus.
Fernreisen – etwa nach Griechenland – galten in den 60er-Jahren noch als Luxus.

Wie sicher waren Reisen?

Und dass der Mann fährt, war früher selbstverständlich: Denn wussten Sie eigentlich, dass in den Sechzigern nur 15 Prozent aller Frauen einen Führerschein hatten? Verkehrserziehung im Fernsehen, Leitplanken und technische Neuerungen erhöhten in den Sechzigern die Sicherheit im Straßenverkehr. Eine Einbaupflicht für Gurte in Neuwagen gilt aber tatsächlich erst seit 1974.

Doch vor 500 Jahren war das Reisen noch richtig gefährlich.Eine Pilgerreise konnte damals locker bis zu fünf Monate dauern. Pilger machten vor der Abreise ihr Testament, weil viele die lange Reise nicht überlebten. Eine Herberge konnte sich nicht jeder leisten und Übernachten unter freiem Himmel war gefährlich. Die häufigsten Gefahren: Überfälle, Krankheiten und wilde Tiere.

Damals stellte man auf Reisen besser keinen Reichtum zur Schau. Um sich vor Überfällen zu schützen, trugen die Pilger sogar ihre älteste Kleidung. Eine Rechnung, die allerdings nicht immer aufging. Überfälle auf Pilger lohnten sich für Wegelagerer aber kaum, sie hatten selten etwas wirklich Wertvolles dabei.

Fazit

Ein Blick auf die Geschichte des Reisens und des Urlaubs macht deutlich, wie viel komfortabler und selbstverständlicher das Reisen heutzutage ist. Sowohl im Mittelalter als auch in den 60er-Jahren waren Reisen beziehungsweise Urlaube noch ziemlich beschwerlich und nicht selten auch eine gefährliche Unternehmung.