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Fakten über die Evolution - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 71 Staffel 1

Wussten Sie eigentlich, das knapp 99% des Erbguts von Menschen und Schimpanse identisch sind? Die Verwandtschaft sieht man insbesondere an Händen und Körperbau.

17.10.2016 14:25 | 5:29 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Die Evolution und ihre Relikte

Wussten Sie eigentlich, das knapp 99 Prozent des Erbguts von Mensch und Schimpanse identisch sind?! Ein Wunder der Evolution. Die Verwandtschaft sieht man: Hände, Körperbau – das alles ähnelt sich stark. Was steckt also genau dahinter und welche Relikte der Entwicklungsgeschichte gibt es noch?

Verwandte des Menschen

Außer dem Schimpansen hat der Mensch noch andere Verwandte, den Fisch zum Beispiel und die Amphibien. Doch was bitte haben diese Tiere mit der Evolution und unserem Körper zu tun?

Von den Fischen stammen wir ab. Sie sind unsere frühen Vorfahren. Auch die Amphibien, die ersten Tiere an Land, stecken heute noch in uns. Und natürlich haben wir von den Säugetieren so einiges mitbekommen. In unseren Knochen beispielsweise steckt noch manches, was an diese tierischen Verbindungen erinnert – ob in den Flossen der Ur-Fische, in den Armknochen der ersten Amphibien an Land, in Echsen oder Säugetieren und letztlich auch in unserem Körper: Überall haben Forscher den gleichen Bauplan gefunden.

Der Schluckauf und die menschliche Evolution

Aber wir finden noch viel mehr Relikte aus der Urzeit. Was beispielsweise ein Glas kaltes Wasser mit dem längst verschollen geglaubten Amphib in uns zu tun hat, das weiß Evolutionsbiologe Professor Thomas Junker: "Es gibt auch ein ganz interessantes Detail, was auf diese Verwandtschaft und diese lange Zeit zurückverweist und das ist der Schluckauf."

Schluckauf ist ein wiederkehrendes Zucken von Muskeln innerhalb unseres Atmungssystems. Die Kontraktion der Muskeln, die unsere Atmung am Laufen hält, funktioniert eigentlich automatisch. Wenn irgendetwas diesen Automatismus stört – wie kalte Getränke etwa – kommt es zu Irritationen und zum Schluckauf. Die Folge dieses Zuckens: Wir saugen schnell und plötzlich Luft ein. Unsere Epiglottis, der Kehldeckel im Rachen, verschließt dann den Eingang zur Luftröhre. So kommt es zum "Hicks", zum typischen Schluckauf-Geräusch. Dieses System haben auch Amphibien – eine Übereinstimmung in der Evolution.

die Kaulquappe hat Verbindungen zur menschlichen Evolution
Wussten Sie, dass unser Schluckauf ein Zeichen für die Verwandtschaft des Menschen zur Kaulquappe ist?

Junker erklärt: "Bei den Kaulquappen kann man das heute noch beobachten, dass sie so eine Art 'Hicks' produzieren. Dadurch verhindern sie, dass Wasser in ihre Lungen gerät." Das Phänomen "Schluckauf" zeigt unsere Verwandtschaft mit den Wassertieren, einem Molch beispielsweise. Doch für diese Verbindung gibt es noch viel deutlichere Hinweise und die kommen aus dem Bauch.

Ein vier Wochen alter Embryo ähnelt einem Fisch. Die Augen liegen seitlich am Kopf, er hat sogenannte Kiemenbögen, aus denen sich Gesicht und Halsbereich entwickeln. Erst im Laufe der Zeit werden wir dann zum Landbewohner umgebaut. Das heißt nicht, dass wir am Anfang Molche sind, aber unser Genprogramm wiederholt hier, was sich vor Millionen Jahren schon einmal abgespielt hat: die Anpassung an ein Leben außerhalb des Wassers. Es ist ein Relikt der Evolution!

Urinstinkte beim Essen

Essen ist bis heute eine der wichtigsten Sachen im Leben der Menschen. Bei all den bunten Farben und appetitlichen Menüs fällt die Wahl schwer. Dabei machen sich die Lebensmittelproduzenten unsere Urinstinkte zunutze: Denn wer verspeist nicht viel lieber Burger, die mit grünem Salat und roten Tomaten bunt garniert sind? Thomas Junker hat auch hierfür eine Erklärung – und die liegt in der Evolution: "Das ist etwas, das typisch ist für Primaten, für Affen. Denn andere Tiere wie Hunde oder Wölfe und Katzen können gar keine bunten Farben sehen, die gehen ganz über den Geruchssinn. Warum können wir Menschen und die anderen Affen bunt sehen? Weil unsere Vorfahren in den Regenwäldern, in den Baumwipfeln Früchte gesucht haben. Und diese Früchte heben sich durch die bunten Farben ganz stark ab." Bunt bedeutet für uns immer noch reife, süße Früchte, die uns Energie und Nährstoffe liefern. Mit unseren Vorfahren verbindet uns also allerhand.

Doch manche Dinge machen den Menschen auch einzigartig. Im menschlichen Sozialverhalten und einem evolutionären Schutzmechanismus finden wir die Erklärung für folgende Szene: Felix' Freund Stefan hat eine neue Sonnenbrille. Er ist so stolz darauf, dass er sie gar nicht mehr absetzen will. Felix ist irritiert und möchte, dass Stefan die Brille von den Augen nimmt. Warum stellt er sich so an? Junker kennt die Antwort: "Der Grund ist, dass wir über die Augen kommunizieren, wir sprechen mit den Augen und haben auch ein spezielles Merkmal in den Augen, das Weiße. Auf diese Weise können wir sehr viele Informationen über unsere Augen an unser Gegenüber weitergeben. Wenn jemand eine Sonnenbrille aufhat, verbirgt er etwas, verbirgt seine Augen. Dadurch bekommen wir diese Informationen nicht, sind irritiert und haben das Gefühl, er verbirgt etwas." Wir Menschen sind die einzigen Wesen, denen die Evolution das deutlich sichtbare "Augenweiß" mitgegeben hat. Selbst die Schimpansen, unsere nächsten Verwandten, machen sich über andere Wege verständlich.

Unser Körper wurde über Millionen Jahre erstaunlich geformt. Vieles aus unserer langen Evolutionsgeschichte steckt noch in uns, vieles macht uns einzigartig. Doch eine Sache hat sich über alle Entwicklungsstufen hinübergerettet: Unser Futter teilen wir allesamt nur ungern mit anderen.

Fazit: Dass der Mensch nicht schon immer so war, wie er heute ist, weiß fast jeder. Seine Evolution ist schließlich kein Geheimnis. Doch woher er sein Aussehen, seine Angewohnheiten und Körperfunktionen genau hat, weiß kaum jemand. Die Entwicklungsgeschichte des Menschen ist komplex, denn er hat nicht nur große Ähnlichkeit mit dem Affen, sondern auch mit Fischen und Amphibien. Wächst neues Leben im Bauch der Mutter heran, ähnelt der Embryo anfangs beispielsweise einem Fisch. Mit jedem Schwangerschaftsmonat nimmt dieser mehr und mehr menschliche Züge an.