Themen-Spezial

Playlist

Themen-Spezial

Stasi-Überwachungsmethoden - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 54 Staffel 1

Die DDR hatte ihre Stasi-Agenten mit vielen technischen Hilfsmitteln ausgestattet, und einige scheinen direkt einem James-Bond-Film entsprungen zu sein. Das Equipment der Staatssicherheit, von Waffentechnik bis Überwachungskamera, zeigen wir im Video.

09.11.2016 11:55 | 5:12 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Die perfiden Stasi-Überwachungsmethoden

Die Ära der Spione – nie wurde so viel getrickst, getäuscht und bespitzelt wie zur Zeit des Kalten Krieges. Die Stasi-Überwachungsmethoden zählen zu den raffiniertesten Einschüchterungs- und Bespitzelungsvarianten dieser Epoche. Doch wie schwierig war die Arbeit für die Agenten und was für Hilfsmittel gab es für die Berufsschnüffler? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt's hier.

Stasi-Überwachungsmethoden: Einer kennt sie alle

Wer sich für die alten Stasi-Überwachungsmethoden interessiert, ist bei Heinrich Peyers an der richtigen Adresse, denn ein großer Teil der Spionagegadgets des Ministeriums für Staatssicherheit liegt heute auf seinem Dachboden. Der westdeutsche Sammler hat nach Auflösung der DDR viele Lager der Stasi leergeräumt und hortet heute tausende Stücke, mit denen die Ost-Agenten im Kalten Krieg gearbeitet haben.

"Hier haben wir ein typisches Beispiel für ein Kameraversteck, unauffällig in einer Handtasche", erklärt der Fachmann anhand einer eigentlich völlig unscheinbaren Handtasche. Durch heimliches Drücken eines versteckten Auslösers können Agenten der Stasi absolut unentdeckt Fotos schießen. Das raffinierte Innenleben macht es möglich und die Taschen so zum perfekten Gadget für männliche wie weibliche Berufsschnüffler.

Für Frauen gibt es aber noch eine ganz eigene Möglichkeit, versteckt zu fotografieren. Denn das Prinzip der Tasche wird von der Stasi auch auf BHs übertragen. Zu einer der perfekt durchdachten Stasi-Überwachungsmethoden wird die Technik auch hier durch ihre unauffällige Art. Die Kamera sitzt im Mittelteil des BHs, das Objektiv ist so klein, dass es leicht als Knopf getarnt oder anderweitig in der Kleidung versteckt werden kann. Ausgelöst wird der Apparat über ein Kabel, das unter dem Oberteil versteckt nach unten läuft. Ja, selbst die Brüste von Agentinnen waren der Stasi als Kameraversteck nicht zu schade.

Und es geht noch kleiner und unauffälliger – mit einer Kugelschreiber-Kamera! "Das war damals auch eine einmalige Sache. Weil das rein mechanisch herzustellen, analog, das ist schon Wahnsinn ...", kommentiert Sammler Peyers das kleine Meisterwerk. Überhaupt gibt es in Sachen Kugelschreiber nichts, das es nicht gibt: Ob Fernglaskuli, Schießkuli oder Messerkuli – um die Stasi-Überwachungsmethoden zu perfektionieren, lassen sich die Tüftler des Geheimdienstes immer neue Tricks einfallen. Doch ein Problem haben diese versteckten Kameras alle: Die Agenten sehen nicht, was sie vor der Linse haben. Fotos machen sie mit diesen Mitteln nur nach Gefühl. Das Ergebnis: Die Bilder sind verwackelt, unscharf und oft unbrauchbar. Versteckte Kameras sind aber nur eine von vielen Möglichkeiten für Spione, Informationen zu beschaffen.

Bei Verhören wird zum Beispiel ein besonders perfides Gerät eingesetzt, der sogenannte Stressgenerator. "Mit Lichtblitzen wird bei dem Befragten ein gewisses Stresspotential ausgelöst. Da können Frequenzen eingesetzt werden, die für das menschliche Auge nicht gerade gesundheitsförderlich sind.", so Heinrich Peyers. Das Licht ist etwa so stark wie das eines Fotoblitzes. Doch das ständige Flackern erhöht beim Verhörten Blutdruck und Puls – der Körper steht unter Stress.

Mit westdeutschen Marken zu ostdeutschen Agenten-Gadgets

Was die Staatssicherheit nicht selbst herstellen kann, kauft sie im Westen ein und baut es, wenn nötig, um. So kommt es, dass einige der raffinierten Hilfsmittel für die Stasi-Überwachungsmethoden westdeutsche Label tragen. "Im Rahmen der Devisen wurde natürlich auch auf Westwaren zurückgegriffen, das war eigentlich ganz einfach", erläutert der Fachmann. Ein Beweis dafür: die sogenannte Infrarot-Taschenlampe. "Augenscheinlich eine ganz normale 'VARTA'-Taschenlampe, aber wenn wir sie aufmachen, ist es ein Infrarot-Lichtsprechgerät, umgebaut von der Staatssicherheit." Damit können Agenten abhörsicher auf Distanz Nachrichten austauschen – und das sogar relativ einfach.

Zwei Agenten verabreden sich beispielsweise auf gegenüberliegenden Hügeln. Einer hat die Sendeeinheit, der andere den Empfänger. Agent A schaltet seine Infrarot-Taschenlampe in regelmäßigen Abständen an und aus. Und obwohl das Infrarotlicht nicht zu sehen ist, fängt das Gerät von Agent B die Lichtstrahlen auf und wandelt sie in Töne um. So können per Morsecode Nachrichten übermittelt werden. Die Technik ist absolut abhörsicher – bis heute. Einziges Manko: Die Geräte müssen genau gegenüber liegen, damit das Ganze funktioniert.

Taschenlampe
Selbst einfache Taschenlampen werden von der Stasi zu Überwachungszwecken umgebaut.

Aber Spionagesammler Heinrich Peyers hat bei seiner Suche nach Dingen, die die Stasi-Überwachungsmethoden dokumentieren, nicht nur Abhör- und Fotogeräte gefunden, sondern auch Waffen. Darunter zum Beispiel eine Schlüsselanhänger-Pistole. Die Kugeln dieser heimtückischen Mordwaffe sind gerade einmal zwei Millimeter groß, durch einen besonders perfiden Trick aber trotzdem absolut tödlich. "Die Kugel wurde angebohrt, mit Rizin Herzgift versehen und dann hat man das Loch mit Talg verstrichen. Beim Abschuss gelangte die Kugel unter die Haut und dann wurde durch die Körperwärme der Talg aufgelöst, das Gift freigegeben", so Peyers. Trotz der winzigen Größe sind die Pistolen also kein Spielzeug, sondern eine absolut tödliche Miniwaffe.

Fazit: Zur Zeit des Kalten Krieges herrschte ein reges Wettrüsten der Geheimdienste. Auch das Ministerium für Staatssicherheit feilte eifrig an den raffiniertesten Stasi-Überwachungsmethoden. Was dabei herauskam, waren Abhör-, Folter- oder sogar Mordinstrumente für die die Agenten der DDR.