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Fakten über Recycling - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 78 Staffel 1

Mit neuen Recycling-Konzepten schaffen es clevere Erfinder, aus Abfall ganz neue Produkte herzustellen. Von der Rettungsweste bis zum Apfel gibt es für vieles noch eine Verwendung, damit es als Recycling-Produkt einen neuen Nutzen bringt.

12.12.2016 12:31 | 4:39 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Recycling: Wie aus Äpfeln Leder und aus Reifen Schuhe werden

Unser Müll landet häufig in einer Schrottpresse und wird wiederverwertet. Recycling ist nicht ungewöhnlich und vor allem umweltfreundlich. Doch wussten Sie, dass man aus Äpfeln Leder für Handtaschen herstellen kann? Oder aus ausgedienten Autoreifen Schuhe?

Was bedeutet Recycling eigentlich?

Recycling kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Wiederverwertung. Es bezeichnet ein Verfahren, bei dem aus Abfällen Erzeugnisse, Materialien oder Stoffe gewonnen werden, ganz gleich, ob diese für die ursprünglichen oder für andere Zwecke aufbereitet werden. Recycling ist eine ethische, finanzielle und umweltgerechte Lösung, wie folgende Beispiele eindrucksvoll zeigen.

Alte Autoreifen aufgeschüttet zu einem Berg aus Altreifen
Aus alt mach neu: Bethlehem Alemu fertigt aus benutzten Autoreifen Schuhe.

Recycling von Altreifen

Es ist eine Revolution in der Modewelt. Bethlehem Alemu gilt als die erfolgreichste Geschäftsfrau Afrikas. Ihre Idee: Recycling von Altreifen. Mit Kreativität und jeder Menge Geschäftssinn fertigt sie Schuhe "Made in Äthiopien". Und das sehr erfolgreich. Ihr Label "SoleRebels" verkauft in die ganze Welt.

Aber es geht noch ungewöhnlicher. Wussten Sie, dass Rettungswesten in Flugzeugen ein Verfallsdatum haben? Diese halten nämlich nur 10 Jahre und werden danach weggeworfen. Zumindest war es früher so, denn nun liefert Lufthansa alle Rettungswesten an Kerstin Rank. Die Bayreutherin verarbeitet diese zu Taschen und Accessoires. Allein 2012 waren es 3.500 Stück.

Recycling aus Äpfeln

Und Recycling kann auch ganz schön lecker sein: Leder aus Äpfeln wird in Bozen in Südtirol hergestellt. Von hier stammt auch Hannes Parth, der Erfinder des Apfelleders. Äpfel werden in dieser Region das ganze Jahr über verarbeitet. "In jeder Verarbeitung – egal, ob Saft, Pürree oder andere Sachen hergestellt werden – bleiben Rückstände übrig. Und wir haben uns gedacht, analysieren wir mal diese Rückstände und statt sei zu verheizen oder zu entsorgen, entwickeln wir was Neues daraus", erklärt Hannes Parth das Recycling-Verfahren.

Mit rund 18.400 Hektar Anbaufläche ist Südtirol der Obstgarten Europas – so groß wie 25.000 Fußballfelder! In der ganzen Region stehen schätzungsweise 60 Millionen Apfelbäume. Geerntet und verarbeitet werden jedes Jahr rund eine Million Tonnen Äpfel. Aber nur die perfekten Früchte landen im Supermarkt. Äpfel, die den Supermarkt-Ansprüchen nicht genügen, landen in Obstpressen. Sie werden zu Saft oder Mus verarbeitet. Und was bleibt übrig? Stängel, Fasern und Schale: Der sogenannte "Trester".

Recycling-Tonnen für die Mülltrennung
In kaum einem anderen Land wird Mülltrennung so ernst genommen wie in Deutschland.

Ab zum Recycling!

Für den Safthersteller ist das Müll, der bestenfalls noch als Kompost, Tierfutter oder Brennstoff taugt. Für Hannes Parth ist es eine Tasche, ein Sesselbezug oder ein Buchumschlag. Die Fabrik nutzt den trockenen Trester zum einen als Brennstoff zum Betrieb der Anlagen. Doch einen Teil davon bekommt Hannes Parth für sein Apfelleder. Vor dem Recycling müssen die groben Stücke allerdings zu einem feinen Pulver gemahlen werden.

Hergestellt wird das Apfelleder in einer Kunstleder-Fabrik im Industriegebiet von Florenz. Das Apfelleder wird hier nur auf Bestellung produziert. Die Apfelleder-Mischung muss mindestens vier Stunden lang angerührt werden. Erst dann verbinden sich alle Zutaten gleichmäßig miteinander. Erst der Stoff-Untergrund macht das Material reißfest und lässt eine Weiterverarbeitung zu. Über eine Rinne wird das Apfelleder gleichmäßig auf die Stoffbahn aufgetragen. Und fertig!

Recycling macht es möglich: Es ist ein Material aus Apfelresten, die anderswo als Müll entsorgt werden. Ein Meter kostet unverarbeitet fünf Euro. Das ist etwas teurer als Kunstleder aus PVC. Jedes Material, das hier entsteht wird hausintern geprüft. So auch das Apfelleder von Hannes Parth. Stundenlanges Knicken und Reiben - das alles sollte ein Lederimitat unbeschadet überstehen und das tut es auch. Das Apfelleder ist sogar wetterfest - Wassertropfen perlen einfach ab.  Genau wie beim Recycling-Ursprungsmaterial – dem Apfel.

Fazit: Ob Autoreifen, Rettungswesten oder eben Äpfel – Recycling schont die endlichen Ressourcen und hilft der Umwelt. Denn schließlich gibt es viel Müll, der recycelbar und damit wiederverwendbar ist.

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