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Fakten über das Tempo-Taschentuch - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 99 Staffel 1

Es ist immer zur Hand. Im kühlen Alltag wie auch in den emotionalen Momenten unseres Lebens. Und fast jeder von uns hat schon einmal seine Nase reingesteckt. Das Papiertaschentuch.

11.10.2016 15:28 | 5:34 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Praktische Allzweckwaffe

So entsteht ein Tempo-Taschentuch

Es ist immer zur Hand. Im kühlen Alltag wie auch in den emotionalen Momenten des Lebens. Und fast jeder hat schon einmal seine Nase reingesteckt. Das Tempo-Taschentuch. Doch wussten Sie eigentlich, dass jeder Deutsche im Durchschnitt 1,5 Mal am Tag zu den praktischen Papiertüchern greift?

Ein Tempo-Taschentuch – viele Schnäuz-Varianten

Unterschiedliche Nasen schnäuzen auch verschieden. Doch so individuell das Naseputzen jedes Menschen auch zu sein scheint, es lässt sich trotzdem generell in vier verschiedenen Schnäuz-Varianten einteilen. Und zwar: dezente Abtupfer, Rotzanalysten, Trompeter und Schnäuzbohrer. Jeder Mensch gehört zu mindestens einer davon. Denn irgendwie muss der Schnodder ja raus. Bis zu einem Liter Nasensekret – am Tag. Bei Krankheit sogar noch mehr! Und dann greift der Durchschnittsdeutsche am liebsten zum Tempo-Taschentuch – im Durchschnitt 1,5 Mal am Tag, rund 550 Mal im Jahr.

Papiertaschentücher sind schon lange fester Bestandteil vieler Haushalte.
Papiertaschentücher sind schon lange fester Bestandteil vieler Haushalte.

Der aufwendige Weg zum Tempo-Taschentuch

So unscheinbar ein fertiges Tempo-Taschentuch im Alltag daher kommt, so aufwendig ist es in der Herstellung. Im Tempo-Werk in Neuss fahren täglich 30 Lastwagen mit bis zu 100 Tonnen Zellstoff vor. Morgens um 8:30 Uhr lädt der Gabelstapler die ersten Fuhren von dem Rohstoff in ein riesiges Lager. Mit der dann dort vorhandenen Menge können zwei Tage lang Taschentücher produziert werden. Doch am Anfang sieht das Rohmaterial noch so gar nicht nach einem weichen Tempo-Taschentuch aus. Als steife Platten kommt es daher, die aus kleinen Hölzern hergestellt werden. Damit am Ende die beliebten Schnupftücher entstehen, sind noch viele Arbeitsschritte nötig.

Nachdem der Fahrer den Zellstoff auf einem Fließband abgelegt hat, sind die Stapel sich selbst überlassen. Denn ab jetzt läuft alles maschinengesteuert. Die Stapel wandern auf den Bändern zuerst in riesige Kochtöpfe, wo sie ein 80 Grad heißes Wasserbad erwartet. In den sogenannten Pulpern löst sich der Zellstoff zu Brei auf.

Damit aus diesem Zellstoffbrei später Papier wird, muss das eingekochte Wasser wieder herausgedrückt werden. Das spielt sich alles in der Papiermaschine ab, wo Walzen den Zellstoff auf Filzbahnen pressen. Diese Filzbänder laufen über einen gigantischen Dampfzylinder, der wie ein überdimensionales Bügeleisen funktioniert und den Zellstoff trocknet. Überstehende Ränder werden von den Papierbahnen einfach abgeschnitten. Das so entstandene Papier wird am Ende auf riesige Stahlzylinder gewickelt. Bis zu 65 Kilometer lang sind die Papierbahnen, die aus der Maschine kommen.

Bernd Bichbeimer, Leiter und technische Geschäftsführer des Neusser Werks, weiß, wie es auf dem Weg zum Tempo-Taschentuch weiter geht: "Aus der Papiermaschine kommt eine einzelne Lage raus, die wir aufrollen auf eine Rolle. Für unser Endprodukt brauchen wir aber vier Lagen übereinander. In Deutschland ist der Standard vier Lagen im Taschentuch. Der Unterschied ist bei uns die Rezeptur, wie wir die Lagen herstellen." Um aus der einen Riesen-Lage Papier am Ende ein vierlagiges Tempo-Taschentuch machen zu können, zerkleinern Messer im nächsten Schritt die großen Papierrollen.

Endspurt: So entsteht das vierlagige Tempo-Taschentuch

Ein Mitarbeiter zerschneidet das Papier, um die Rollen für die Weiterverarbeitung zu präparieren. Die gewünschten vier Lagen sind in diesem Schritt bereits zu erkennen. Die kleineren sogenannten Mutterrollen gehen dann an die Verprägung. Damit die vier Lagen sich nicht lösen, wenn kräftig ins Tempo-Taschentuch geschnäuzt wird, pressen Gummiwalzen die Lagen fest aufeinander. So entsteht auch das bekannte Pünktchenmuster am Rand.

Nach dieser aufwendigen Prozedur wird aus der Papierbahn endlich ein Taschentuch. "Nachdem die breite Papierbahn in vier kleine Einzelbahnen zerteilt worden ist, wird die kleine Bahn über einen Falttisch gezogen, dann zieht sich das Papier um den Tisch herum und es entsteht die Längsfaltung. Daraus kann man die traditionelle Z-Faltung erkennen", erklärt Bichbeimer weiter. Fun Fact: Die Z-Faltung wurde 1975 in Deutschland erfunden, um mit einem Griff das Taschentuch entfalten zu können. Wenn mal nur eine Hand frei ist, weil man in der anderen eine Tasse, ein Buch oder vielleicht die Liebste hält, kann man locker mit der anderen Hand noch ein Tempo-Taschentuch aus der Packung ziehen – dank der Z-Faltung.

Jeweils zehn Tempo-Taschentücher wandern zum Schluss zusammen in die Folierungsmaschine zur Verpackung. Ordentlich gefaltet und verpackt, treten täglich bis zu 100 Millionen deutsche Papiertaschentücher den Weg in die ganze Welt an.

Fazit: Aus dem Alltag ist das Tempo-Taschentuch kaum noch wegzudenken. Bis aus den steifen Zellstoffplatten ein weiches Papiertuch entsteht, sind allerdings zahlreiche aufwendige Verarbeitungsschritte nötig. Aber nicht nur seine vier Lagen, auch die geniale Z-Faltung macht das Tempo-Taschentuch zum praktischen Helfer in quasi jeder Lebenslage. 

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