- Bildquelle:  Lena Semmelroggen © Lena Semmelroggen

Im besten Fall kann eine Cover-Version die Essenz eines gut geschriebenen Liedes freilegen. Claudia Koreck gelingt das bei „Ein Kompliment“ eindrucksvoll. Ist das Original eine dieser typischen, bubenhaft nach vorne drängelnden Sportfreunde-Stiller-Nummern, erkennt man die Qualität des Songwritings in Korecks Version fast noch besser: Vor allem der nur auf ihre Stimme und ein Piaono setzende Anfang jagt einem ein Schauer über den Rücken. Das dürfte auch den Urhebern des Liedes so ergehen. 

Die Idee eines Cover-Albums lag ja irgendwie nahe im Falle von Claudia Koreck: 2020 interpretierte sie für eine Fernsehserie Nenas „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“ neu und landete damit auf Platz 1 der iTunes-Single-Charts. Da ihr letztes eigenes Album „Auf die Freiheit“ damals noch recht frisch war und Claudia Koreck wie viele Kolleginnen und Kollegen auch pandemie-bedingt ihre Kunst nicht wie gewohnt in die Clubs tragen konnte, kam sie auf die Idee, eine „Reise in die Tiefen des Pop-Ozeans“ vorzunehmen, wie sie es nannte. Ihr Anspruch dabei: „Viel Gefühl sollte im Spiel sein. Ich musste mich wohlfühlen mit den Songs.“ Und: „Die Arrangements sollten aus einem Guss sein. Wir hätten uns verrannt, wäre jeder Song anders arrangiert.“ Anfang Februar zog sie sich dann für zwei Monate mit ihrem Mann – dem Produzenten Gunnar Graewert – in das hauseigene Studio zurück. Eine Kreativ-Quarantäne sozusagen.

Claudia Koreck erzählt: „Während der Pandemie haben wir eh viel zu zweit musiziert, das kam uns nun entgegen.“ Mit ihren „Seeleninstrumenten“ Gitarre und Klavier haben die beiden an den Songs gearbeitet. „Das war alles super reduziert. Wir hatten ja gar nicht die Möglichkeiten, das aufzublasen.“

So ist „Perlentaucherin“ einerseits ganz nah an Claudia Koreck, ihrem Herz, ihrer Stimme und ihren musikalischen Stärken – zugleich aber auch weitgreifend auf Reisen im besagten „Pop-Ozean“. Mit charmantem Understatement sagt sie über ihre Auswahl: „Die Nummern kann man nicht besser machen. Das sind alles so geile Songs.“ Aber: „Ich kann meine eigene Note hinzufügen, meinen eigenen Blickwinkel. Also hab ich mich gefragt: Was sind die Essenzen?“ Wie treffsicher sie diese Frage beantwortet, haben wir ja schon zu Beginn dieses Textes festgestellt. Und ja, das war „Ein Kompliment“.