Revolverheld lassen das Licht an für neue Ideen. Sie bleiben „Spinner“, wenn es um ihre eigene Kreativität geht. Sie wollen zwar noch „Freunde bleiben“ mit ihren alten Hits, die sie auf die größten Bühnen des Landes brachten, denn sie wissen: „Das kann uns keiner nehmen“. Aber wenn es um das erste Album seit „Zimmer mit Blick“ von 2018 geht, haben sie nicht „Mit dir chilln“ zum Bandmotto gemacht, sondern eher das, was auch der Titel eines Vorabtracks war: „Abreißen“. Oder, und da wären wir beim Titelsong angekommen: „Neu erzählen.“

Man verzeihe den zitatlastigen Einstieg, der natürlich ein Songtitel-Bingo für Fans sein sollte. Aber Johannes Strate und seine Band Revolverheld haben einfach seit fast zwei Jahrzehnten die deutsche Radiolandschaft geprägt und dabei mehr als ein Dutzend Hits hinterlassen, die man zumindest in Teilen mitsingen kann. Selbst, wenn man das nicht wollen würde.

Und trotzdem hatten Revolverheld keinen Bock, zur Jukebox ihrer eigenen Evergreens zu werden oder Songwriting im Stile von Futtern wie bei Muttern abzuliefern.

Mit „einem Haufen Songs“ saß die Band im Dezember letzten Jahres laut Strate noch planlos im Studio. Damals erzählte der Sänger dem „Stern“ in einem Interview, dass sie nicht genau wüssten, wie es weitergehen würde. Doch diese Frage scheint nun geklärt zu sein, denn am 08. Oktober erscheint das Album „Neu erzählen“ mit insgesamt 12 Songs.

Man hört dabei, dass Revolverheld die vergangene (Krisen-)Zeit genutzt haben, sich ein Stückweit neu zu erfinden. Natürlich werfen sie nicht ihre komplette Sound-DNA über Bord, aber die Single „Neu erzählen“ ist eher reiner Pop als Rock, sehr zeitgemäß und detailverliebt ausproduziert und lyrisch voll auf Neuanfang gepolt. Was als Beziehungs-Song gemeint ist, macht auch als Bandprogrammatik Sinn: „Ich will das mit uns neu erzählen / Will alle Charaktere neu auswählen / Will mich nicht mehr mit alten Sachen quälen / Neue Wege gehen.“ So heißt es im starken Refrain und in der Strophe zum Beispiel einmal: „Die Hauptdarsteller bleiben gleich / Wir machen es uns einfach leicht /Und machen keinen Fehler zweimal / Was in alten Geschichten einfach immer nur der Fall war“. Keine schlechte Philosophie für eine Band, die schon so lange gemeinsam musiziert. Auch hier muss man, wie in einer langleben Beziehung, hin und wieder Dinge und Routinen hinterfragen, um für sich und andere spannend zu bleiben.