Themen-Spezial

Biografie

Winston Churchill: Das Leben eines Weltstaatsmannes

Er war Politiker, Kriegstreiber und Nobelpreisträger. Als Premierminister führt er Großbritannien durch den Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende avanciert Winston Churchill als Vordenker Europas zu einem der bedeutendsten britischen Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus tritt er als Journalist und Buchautor hervor.

Winston Churchill

Sitzenbleiber und Schulhasser

Als Sohn des britischen Politikers Lord Randolph Churchill und der amerikanischen Millionärstochter Jennie Jerome kommt Winston Churchill am 30. November 1874 in Woodstock, England zur Welt. Zwar gehört dessen Großvater Duke of Marlborough dem britischen Hochadel an, da jedoch in England nur der erstgeborene Sohn diesen Titel erbt und Randolph Churchill einen älteren Bruder hat, wächst Winston Churchill als Bürgerlicher auf.

Da die Eltern über die finanziellen Mittel verfügen, schicken sie den kleinen Winston auf mehrere Eliteschulen. Doch dem Nachwuchs missfallen die strengen Erziehungsmaßnahmen. Die Lehrer erkennt er nicht als Autoritäten an, für den Unterricht interessiert er sich kaum, weshalb er mehrmals sitzen bleiben muss. Über seine Zeit im Internat sagt er später: "Wie hasste ich diese Schule, in der ich mehr als zwei Jahre ein Leben voller Ängste verbrachte."

Der Stift wird seine neue Waffe

Auch nach der Schulzeit bleibt Winston Churchill zunächst erfolglos. Er bewirbt sich beim Militär, rasselt jedoch gleich zweimal durch die Aufnahmeprüfung. Im Alter von 19 Jahren erhält er dann doch einen Posten als Kadett. Zwei Jahre später kommt er als Kavallerieleutnant zum 4. Husarenregiment, wo er an Feldzügen in Kuba, Indien und dem Sudan teilnimmt.  Von da an geht es mit der Karriere bergauf. In der Armee fühlt sich Winston Churchill erstmals in seinem Leben richtig aufgehoben.

Aber nicht nur mit dem Gewehr in der Hand, auch mit Stift und Papier fühlt sich der Brite wohl. Winston Churchill entdeckt seine Leidenschaft fürs Schreiben. Das Handwerk dafür eignet er sich durch Fachliteratur selbst an. Aus dem Hobby wird schon bald ein zweites Standbein: Churchill wird Kriegsberichterstatter. Bis zu seinem Lebensende ist er als Journalist und Buchautor aktiv. Für sein Werk "Der Zweite Weltkrieg" wird er 1953 sogar mit dem "Nobelpreis für Literatur" ausgezeichnet.

Aufstieg in der Politik

Der Brite will die Interessen seines Landes jedoch nicht nur auf dem Kriegsfeld durchsetzen. Winston Churchill beginnt früh, sich für Politik zu interessieren. Als er aus dem Burenkrieg zurückkehrt, kandidiert er schon 1900 bei den Unterhauswahlen – mit Erfolg. Im März 1901 zieht der frisch gewählte Konservative für den Wahlkreis Oldham ins Parlament ein.

1904 wechselt Churchill zum sozialreformerischen Flügel der Liberalen Partei. Zunehmend wächst seine politische Macht. Winston Churchill bekleidet mehrere Regierungsämter, unter anderem das des Ersten Lords der Admiralität sowie des Handels-, Innen- und Finanzministers. Und auch privat läuft alles nach Plan. In der Londoner St. Margaret’s Church heiratet er 1908 Clementine Hozier, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebt.

Vordenker der modernen Kriegsführung

Als Erster Lord der Admiralität und später als Munitionsminister zieht Winston Churchill die politischen und strategischen Fäden Großbritanniens im Ersten Weltkrieg. Mit einem Angriff auf Konstantinopel will er den Krieg schnell beenden, doch die Offensive scheitert. Churchill tritt zurück, seine politische Laufbahn scheint beendet zu sein.

1917 holt ihn der befreundete Premierminister Lyod George jedoch als Abgeordneten wieder ins Kabinett. In seiner Zeit als Kriegsminister tritt Churchill immer wieder für militärische Neuerungen ein. Er ist es auch, der als einer der ersten Kriegsstrategen das militärische Potenzial von Schlachtschiffen und Flugzeugen erkennt.

Zeitweiliger Rückzug aus der Politik

Nach dem Zerfall der Liberalen Partei kehrt Churchill 1924 zur Konservativen Partei zurück – auch, weil seine Einstellung antisozialistischer wird. Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zieht er sich aus dem aktiven politischen Geschehen zurück und konzentriert sich auf die Schriftstellerei. In seinen Arbeiten warnt Churchill vor den Gefahren des Regimes durch die Nazis, kritisiert Chamberlains Beschwichtigungspolitik gegenüber Adolf Hitler und setzt sich, anders als Großbritanniens Machthaber, gegen die Selbstregierung Indiens ein. Seine Schriften finden Gehör – auch in der Politik.

Winston Churchill (l.) und der US-amerikanische Politikberater Bernard Baruch.
Winston Churchill (l.) und der US-amerikanische Politikberater Bernard Baruch.

Premierminister im Zweiten Weltkrieg

1939 wird Winston Churchill erneut Erster Lord der Admiralität. Nach dem Beginn des deutschen Westfeldzugs gegen Frankreich führt er sein Land als Premier- und Verteidigungsminister durch den Zweiten Weltkrieg und wird dabei zum maßgeblichen Initiator der "Großen Allianz" zwischen Großbritannien, den USA und der UdSSR. Gemeinsam mit dem US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt bestimmt Churchill die Kriegsziele der Alliierten.

Das Ende eines großen Politikers

Nach Kriegsende unterstützt Churchill die Eindämmungspolitik des US-Präsidenten Harry Truman gegenüber der Sowjetunion und prägt somit den Begriff "Eiserner Vorhang" für die Grenze zwischen Ost- und Westeuropa. Aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes muss Churchill 1955 von allen politischen Ämtern zurücktreten. Neben seinen historischen Schriften widmet er sich fortan auch der Malerei.

Die Winston Churchill-Statue am Parliament Square in London.
Die Winston Churchill-Statue am Parliament Square in London.

Für seine Verdienste um die Einigung Europas erhält Churchill mehrere bedeutende Auszeichnungen: 1953 wird er zum Ritter des Hosenbandordens geschlagen und steigt als Sir Winston Churchill in den nicht-erblichen Adelsstand auf. Zehn Jahre später ernennt ihn der amerikanische Kongress als ersten Nicht-US-Bürger überhaupt zum Ehrenbürger der Vereinigten Staaten. Am 24. Januar 1965 stirbt Winston Churchill in London und wird auf dem Familienfriedhof in Bladon beigesetzt.

Fazit: Nur wenige Politiker haben den Verlauf des 20. Jahrhunderts stärker geprägt als Winston Churchill. Als Premierminister leitet er während des Zweiten Weltkrieges das britische Kriegskabinett. Während des Kalten Krieges setzt er sich in seiner Amtszeit für eine Entspannung im Ost-West-Konflikt ein. Aber auch als Schriftsteller sichert sich Winston Churchill einen Platz in den Geschichtsbüchern. Für sein historisches Werk "Der Zweite Weltkrieg" erhält der Brite den Nobelpreis für Literatur.

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