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Fakten über Friedrich den Großen - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 24 Staffel 1

Er gilt als Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus und eine der schillerndsten Persönlichkeiten unter den europäischen Herrschern: Friedrich der Große, auch bekannt als der Alte Fritz.

12.10.2016 15:18 | 5:24 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Komponist, Dichter, Architekt, Stratege

Friedrich der Große: Der erste Diener seines Staates

Er gilt als Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus und eine der schillerndsten Persönlichkeiten unter den europäischen Herrschern: Friedrich der Große, auch bekannt als der Alte Fritz. Doch wussten Sie eigentlich, dass die heutige spanische Nationalhymne aus seiner Feder stammt?

Friedrich der Große im Porträt.
Friedrich der Große im Porträt.

Strenge Erziehung

Friedrich der Große verlebt eine harte Kindheit, geprägt durch die strenge und kaltherzige Erziehung seines Vaters, König Friedrich Wilhelm I. Der quält seinen ältesten Sohn seelisch und körperlich, taktet den Tagesablauf des Kronprinzen ab seinem sechsten Geburtstag pedantisch genau durch. Auch den Lehrplan des Jungen kontrolliert der strenge Vater aufs Genaueste. Trotzdem lernt Friedrich der Große heimlich auch Latein und Literatur, nimmt schließlich sogar Flötenunterricht. In immer größerem Maße legt der zukünftige Herrscher ein betont aufsässiges Verhalten gegenüber seinem Vater an den Tag. Der honoriert das Verhalten seines Sohnes mit brutalen Strafen.

Forscher sind sich heute sicher: Friedrich der Große war homosexuell. Mit 18 Jahren will er zusammen mit einem Freund vor dem gewalttätigen Vater fliehen, wird jedoch verraten. Der Vater lässt den Freund seines Sohnes vor dessen Augen hinrichten. Er bricht damit den Willen des Prinzen. Bis zu dessen Tod widersetzt sich der Alte Fritz nie wieder seinem Vater.

Friedrich der Große: Der Monarch ohne Stammhalter

Friedrich der Große heiratet mit 20 Jahren eine Frau, die König Friedrich Wilhelm I. für ihn ausgesucht hat. Der Konflikt zwischen Vater und Sohn gilt damit zumindest nach außen hin als beigelegt. Der Kronprinz und seine Frau ziehen mit Erlaubnis des Königs nach Rheinsberg und halten dort selbst Hof. Doch Friedrich liebt Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern nicht. Die Ehe bleibt kinderlos.

Als der alte König stirbt, zieht sich der neue Herrscher auf Schloss Charlottenburg zurück. Seiner Frau teilt er eine Wohnung im Berliner Stadtschloss zu und schenkt ihr Schloss Schönhausen als Sommerwohnsitz. Die Eheleute sehen sich von da an praktisch nicht mehr, genau, wie der Alte Fritz es bereits vor der Hochzeit angekündigt hatte.

Doch gänzlich muss die neue Königin trotzdem nicht auf Zuwendungen ihres Mannes verzichten. Einmal lässt er die ersten reifen Kirschen seines Gartens seiner Gattin schicken – verpackt in frischem Moos. Doch der Page kann nicht widerstehen und nascht das Obst. Die Königin bekommt nur nasses Moos und antwortet amüsiert: "Ich danke dir herzlich für deine liebenswürdige Aufmerksamkeit, die du mir durch Übersendung der jungen Gartenfrucht bereiten wolltest. Aber leider ist es mir nicht möglich, sie zu genießen. Sie mag wohl für Gänse schmackhaft sein, aber nicht für die Gemahlin des großen Königs."

Sparsam und doch verschwenderisch

Friedrich der Große gilt als sparsam und geizig. Über jede noch so kleine Ausgabe führt der Hohenzoller akribisch Buch. Privat mag er es aber durchaus auch mal luxuriös: Er trinkt gerne Champagner und exquisite Weine. Und: er liebt frisches Obst. Auch im tiefsten Winter lässt er sich frische Kirschen und Melonen liefern. Damals ein enorm teurer Aufwand. Im Sommer kommt das Obst aus den eigenen Gewächshäusern. Dennoch verachtet Friedrich das ausschweifende Leben anderer europäischer Herrscher. Sein Credo: Pflicht und Disziplin. Er sieht sich selbst als ersten Diener des Staates. Das macht ihn im Volk beliebt.

Sein größtes Laster: Der Alte Fritz ist stark abhängig von Schnupftabak. Weil ihm immer ein bisschen davon an der Nase klebt, wirkt der Monarch zuweilen etwas schlampig. Was den Eindruck noch verstärkt: Friedrich der Große wischt häufig seine Schreibfedern an den Manschetten ab. Er liebt schöne Tabakdosen und gibt auch hierfür viel Geld aus. Dass die hübschen Dosen auch einen praktischen Nutzen haben, zeigt sich während der Schlacht von Kunersdorf. Eine feindliche Kugel prallt an der Tabakdose ab und Friedrich entgeht auf diese Weise dem sicheren Tod.

Königliches Multitalent

Der europäische Herrscher ist ein Multitalent. Friedrich der Große spielt nicht nur sehr gut Querflöte, er komponiert sogar ganze Sinfonien. Die heutige spanische Nationalhymne stammt aus seiner Feder. Auch sein Lieblingsschloss entwirft der Alte Fritz selbst. Es ist heute noch ein Paradebeispiel seiner Epoche und weltberühmt. Das Schloss trägt einen französischen Namen – Sanssouci – und heißt übersetzt "Ohne Sorgen". Er dichtet auch – allerdings nur in Französisch. Damals die offizielle Sprache am Hofe.

Friedrich der Große ist auch architektonisch talentiert. Sein Lieblingsschlos...
Friedrich der Große ist auch architektonisch talentiert. Sein Lieblingsschloss Sanssouci entwirft der Monarch selbst.

Immer wieder führt Friedrich Krieg gegen benachbarte Länder. Ungewöhnlich für einen König: er zieht mit seinen Soldaten persönlich aufs Schlachtfeld. Durch sein strategisches Geschick siegt er meist. Die Folge: er erhält seinen berühmten Beinamen – Der Alte Fritz.

Zu einer der wichtigsten innenpolitischen Aktionen des Alten Fritz gehört die Einführung der bis dahin in Preußen unbekannten Kartoffel als Nahrungsmittel. Einer Legende nach trauten die Bauern der neuen Frucht aber nicht. Der Trick des Königs: er lässt die Kartoffelfelder von Soldaten bewachen. Die Bauern halten die Knolle für kostbar. Sie stehlen sie und bauen die Knollen auf dem heimischen Acker an.

Friedrich der Große: Stets seiner Zeit voraus

Mit zunehmendem Alter zieht sich Friedrich der Große zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Viel eher sagt ihm die Gesellschaft seiner Hunde zu. Denen kauft er sogar Kleider und will entgegen aller Traditionen in einer eigens dafür errichteten Gruft neben ihnen beerdigt werden. Der Herrscher wird mit den Worten zitiert: "Hunde haben alle guten Eigenschaften des Menschen, ohne gleichzeitig ihre Fehler zu besitzen."

Friedrich gilt als sehr gerecht und seiner Zeit weit voraus. Denn er schafft nicht nur die Leibeigenschaft und Folter ab. Er führt auch die Schulpflicht ein, sein Volk lernt lesen und schreiben. Und er garantiert Pressefreiheit. Sein Wahlspruch: "In meinem Staat kann jeder nach seiner Fasson selig werden."

Und noch eins: trotz seiner strengen Haltung hat Friedrich einen überaus ausgeprägten Humor. So soll er einst gesagt haben: "Es heißt, dass wir Könige auf Erden die Ebenbilder Gottes seien. Ich habe mich daraufhin im Spiegel betrachtet. Sehr schmeichelhaft für den lieben Gott ist das nicht."

Fazit: Friedrich der Große ist ein absolutes Multitalent unter den großen Herrschern Europas. Der Alte Fritz sah sich selbst als ersten Diener seines Staates und schaffte es durch geschickte Kriegsführung und ebenso raffinierte Innenpolitik, Preußen als fünfte Großmacht neben Frankreich, Großbritannien, Österreich und Russland zu etablieren.

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