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Fakten über den Vatikan - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 59 Staffel 1

Der Vatikan: Hohe Mauern umgeben den kleinsten Staat der Welt. Doch: welche Geheimnisse verbergen sie?

17.10.2016 14:42 | 5:03 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Mord und Intrigen im Kirchenstaat

Der Vatikan: Kleiner Staat mit großen Geheimnissen

Hohe Mauern umgeben den kleinsten Staat der Welt, den Vatikan. Doch welche Geheimnisse verstecken sich hier? Gibt es tatsächlich Dinge, die die katholische Kirche seit Jahrhunderten vor der Öffentlichkeit verbergen möchte? Und wussten Sie eigentlich, dass der Vatikanstaat die höchste Kriminalitätsrate der Welt hat?

Rätselhafter Mord im Vatikan

Um kaum ein anderes Staatsgebiet ranken sich so viele Gerüchte und Verschwörungstheorien wie um den Vatikan. Zahllose Romanautoren haben sich den "Mythos Vatikan" schon zu Nutze gemacht. Eine der mysteriösen Geschichten: der rätselhafte Mord in der Kaserne der päpstlichen Garde. Am 4. Mai 1998 geschieht das Unerhörte: Wie jeden Abend beten die Nonnen, die in der Kaserne der Schweizer Garde leben, gemeinsam in ihrem Apartment. Um 20:40 Uhr hört eine der Schwestern plötzlich dumpfe Geräusche im Treppenhaus.

Der Vatikan ist mit knapp 0,44 Quadratkilometern Fläche der kleinste souverän...
Der Vatikan ist mit knapp 0,44 Quadratkilometern Fläche der kleinste souveräne Staat der Welt. © Facebook_Vaticancom

Wie sich herausstellt, kommen die Geräusche von nebenan. Die Frauen suchen nach der Ursache – und entdecken ein Bild des Schreckens: drei Leichen. Bei den Toten handelt es sich um den Kommandanten der Schweizer Garde, Alois Estermann, seine Ehefrau Gladys und den jungen Gardisten Cédric Tornay. Ein Mord, direkt neben den Gemächern des Papstes – doch die italienische Polizei darf nicht an den Tatort, der Vatikan untersagt es.

Nur einen Tag später präsentieren die Ermittler des Vatikans ihre Ergebnisse und einen Täter: Cédric Tornay. Sein angebliches Motiv: ein Streit mit dem Kommandanten um eine verweigerte Auszeichnung. Den Unterlagen zufolge soll der Offizier erst den Kommandanten erschossen haben, dann dessen Ehefrau und schließlich sich selbst. Weitere zwei Tage später bekräftigt der damalige Sprecher des Papst-Staates Joaquin Navarro-Valls diese Version des Tathergangs: "Es war ein Anfall von Wahnsinn. Die Tat einer gestörten Persönlichkeit, die auffallen wollte, die unter ungenügender Anerkennung gelitten hat."

Angeblich soll Tornay die Kontrolle über sich verloren haben. Auslöser: Medikamente und Cannabis. Außerdem: eine Zyste im Gehirn. Beweise gibt es keine. Unabhängige Mediziner finden weder Spuren von Drogen in Cédric Tornays Blut noch eine Zyste im Gehirn. Stattdessen entdecken sie etwas Merkwürdiges: einen Schädelbruch. Der Gardist muss 20 Minuten vor seinem Tod einen Schlag bekommen und dadurch das Bewusstsein verloren haben. Doch wie hätte er dann noch zwei Menschen und sich selbst töten sollen? Ebenso mysteriös: Es sollen vier Gläser auf dem Tisch in Estermanns Apartment gestanden haben. Und: Wieso haben die Nonnen dumpfe Geräusche gehört, die drei Schüsse im Nebenzimmer aber nicht?

Auch die Mutter des jungen Offiziers glaubt bis heute nicht, dass ihr Sohn der Mörder ist. Sie hat Zweifel an der offiziellen Erklärung des Vatikans. Ein Hauptgrund hierfür ist der angebliche Abschiedsbrief des jungen Mannes an seine Mutter, der vor Fehlern nur so wimmelt. Tornay spricht seine Mutter mit falschem Namen an. Auch die Bezeichnung "Le pape", also "dem Papst", habe der Gardist nie benutzt, sondern vielmehr immer vom "Heiligen Vater" gesprochen. Und sie ist sich sicher: Das ist nicht die Handschrift ihres Sohnes. Der Brief wurde vermutlich gefälscht.

Wenn das alles stimmt, ist der angebliche Täter Cédric Tornay also selbst ein Opfer. Die Mutter richtet eine Internetseite für ihren Sohn ein, sammelt so viele Informationen zu dem mysteriösen Fall, wie sie nur finden kann. Und dennoch ist der Fall bis heute nicht richtig geklärt. Zwar sichert der Vatikan in Folge der öffentlichen Entrüstung zu, den offenen Fragen nachzugehen, geschehen ist das bisher allerdings nicht.

Die Schweizergarde ist quasi die Privatarmee des Papstes und für dessen persö...
Die Schweizergarde ist quasi die Privatarmee des Papstes und für dessen persönliche Sicherheit verantwortlich. © dpa

Eine Frau auf dem Heiligen Stuhl

Was jeder weiß: An der Spitze der katholischen Kirche steht der Papst, ein Mann. Doch vor über 1.000 Jahren soll eine Frau auf dem Heiligen Stuhl im Vatikan gesessen haben. Doch gab es wirklich einen weiblichen Papst? Fakt ist: Eine kleine, unauffällige Gasse mitten in Rom trägt bis heute im Volksmund den Namen Vicus Papessa, die Gasse der Päpstin. Hier soll der größte Skandal in der Kirchengeschichte ans Licht gekommen sein.

Wir schreiben das Jahr 853 – ein neuer Papst kommt ins Amt, ein Deutscher: Johannes der VIII. Der Legende nach soll "er" eine Frau gewesen sein. Die Geschichte der vermeintlichen Päpstin beginnt in einem Kloster. Hier lebt Johanna zunächst unentdeckt als Mönch. Später praktiziert sie als Arzt in Athen und geht dann nach Rom. Schnell steigt sie auf, schafft es bis in das höchste Amt der katholischen Kirche: Sie wird Papst. Keiner ahnt, dass unter dem Gewand eine Frau steckt. Das Volk liebt den neuen Papst. Denn er hilft besonders den Armen und Schwachen.

Doch dann nimmt das Schicksal eine dramatische Wende: Johanna wird von einem Diener geschwängert und gebiert in der "Gasse der Päpstin" bei einer Prozession ihr Kind. Jetzt wird auch der Öffentlichkeit klar: Der Papst ist in Wahrheit eine Frau! Über das weitere Geschehen sind sich die vermeintlichen Quellen uneinig. Während die einen behaupten, der wütende Mob habe die Päpstin an Ort und Stelle gelyncht, gibt es auch Unterlagen, die besagen, Johanna sei in ein Kloster gebracht und dort für den Rest ihres Lebens weggesperrt worden.

Doch welche Belege gibt es für ihre Existenz? Ein mögliches Indiz: ein alter Papstthron im Vatikan, mit einem Loch in der Mitte. Forscher vermuten, der Stuhl wurde erfunden, nachdem Johannes als Johanna enttarnt wurde. Jeder neu gewählte Papst habe sich von nun an darauf setzen und einem Geschlechtstest unterziehen müssen. Ein Priester prüfte dabei mit beherztem Griff, ob der Papst wirklich ein Mann war. Doch endgültig bewiesen ist die Geschichte bis heute nicht.

Fazit: Um den kleinsten Staat der Welt ranken sich unzählige Mythen und Verschwörungstheorien. Es gibt eine eigene Armee, eine eigene Polizei, eine eigene Bank. Alle Mitarbeiter verpflichten sich zu absoluter Verschwiegenheit, nichts darf nach außen dringen. Fälle wie der Mord an Kommandant Estermann werden nicht endgültig aufgeklärt – vielleicht, weil damit unliebsame Geheimnisse preisgegeben werden müssten? Der Vatikan liefert jedenfalls auch nach Jahrhunderten noch immer selbst die beste Grundlage für blühende Gerüchte.

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