Frühe Leidenschaft für die Kunst

Andy Warhol, geboren am 6. August 1928 in Pittsburgh in Pennsylvania, hieß eigentlich Andrew Warhola. Seine Eltern stammten aus Ungarn und hatten zwei weitere, ältere Söhne. Später amerikanisierte er seinen Namen, weshalb man ihn heute als Andy Warhol kennt.

Als Andy acht Jahre alt war, erkrankte er schwer. Die als Chorea Minor bekannte Krankheit fesselte ihn ans Bett. Gleichzeitig litt er an einer Pigmentstörung, sodass er lange Zeit für einen Albino gehalten wurde. Während dieser Periode entwickelte der junge Warhol sein künstlerisches Talent. Er beschäftigte sich viel mit Comics und Kinofilmen, begann zu zeichnen und bastelte Papierfiguren. Während andere Kinder Freunde hatten, entwickelte Andy eine tiefe Bindung zu seiner Mutter Julia, die bis zu ihrem Tod im Jahre 1972 anhalten sollte. Sein Vater kam bei einem Unfall ums Leben, als Andy Warhol 13 Jahre alt war.

Nachdem er bereits früh seine Leidenschaft für die Kunst entdeckte, studierte er ab 1945 Gebrauchsgrafik an der Universität seiner Heimatstadt und erlangte im Alter von 21 Jahren seinen Abschluss in Malerei und Design. Danach war der junge Visionär nicht mehr zu halten: Er zog gemeinsam mit seinem damaligen Kommilitonen Philip Pearlstein nach New York, der Hochburg der modernen Kunst.

New York Calling: Erste Ausstellungen in der Kunst-Metropole

In New York angelangt, schlug er sich zunächst als Grafiker und Dekorateur durch. Für die Kunst blieb nur wenig Zeit. Dennoch reichte sie aus, um seine ersten Siebdrucke zu entwickeln: Mit Tinte und Tusche zeichnete er verschiedene Motive – von Engeln, über Schmetterlingen, bis hin zu Katzen –, die er mit einem Blatt Löschpapier kopierte und auf ein neues Blatt übertrug. Die so entstandenen Designs wurden von diversen Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht. Zwar war die Technik nicht neu, doch Warhol machte sie populär und zu seinem Markenzeichen.

Im Jahre 1952 hatte er genügend Werke zusammen, um seine Kunst auf ein größeres Parkett zu bringen. Mithilfe des Griechen Alexander Iolas, Direktor der Hugo-Gallery, lud er zu seiner ersten Ausstellung ein. Wenige Jahre später, 1956, schaffte es Warhol mit seiner eigentümlichen Kunst sogar ins Museum of Modern Art in New York.

Markenzeichen: Die Vervielfältigung von Abbildungen

Als Grafiker hatte er sich längst einen Namen gemacht, er wollte jedoch den künstlerischen Weg wählen. Inspirationen fand er vor allem in Alltagsgegenständen und berühmten Persönlichkeiten. So entwarf er von diversen Comic- und Cartoonfiguren, beispielsweise Mickey Maus, Superman oder Popeye, aber auch von Hollywoodstars, schlichte Porträts und kombinierte sie mit dem Siebdruck. 

Ein Merkmal seiner Kunst war die Vervielfältigung der abgebildeten Objekte. Eines seiner bekannten Werke ist das Porträt der Mona Lisa, das er dreißigmal auf eine Postkarte abbilden ließ. Noch berühmter aus dieser Zeit ist eine Abbildung des Kinostars Marilyn Monroe, die er über die Jahre hinweg immer wieder farblich variierte. Vervielfältigte Bilder von James Dean, Liz Taylor und Elvis sollten folgen.

Andy Warhols ikonisches Marilyn Monroe-Bild
Andy Warhols ikonisches Marilyn Monroe-Bild.

Seine Kunst – der er nachsagte, sie würde sich selbst produzieren, da die Vorlagen alle schon da seien – wurde mit den Jahren immer skurriler. 1962 begann er seine „Death and Disaster"-Serie. Darin bildete er Pressefotos von aufsehenerregenden Unfällen ab, die er durch kleine Retuschen verzerrte. Seine Intention dabei: Er wollte die technische Manipulierbarkeit der Wirklichkeitswahrnehmung zum Thema der Kunst machen.

Die Factory und seine Filme

1962 gründete er die „Factory“ in New York. Dabei handelte es sich um zu Ateliers umfunktionierten Fabrikhallen, in denen er und andere Künstler sich kreativ austobten. Sie wurden zur Arbeits- und Lebensstätte für verschiedene Künstler und Intellektuelle. Dort gingen Stars wie Jim Morrison, Bob Dylan und Mick Jagger ein und aus, denn die Factory wurde auch als Partylocation genutzt. Er nutzte seine speziellen Räumlichkeiten nicht nur für seine Pop Art-Kunst, für die er von nun an vor allem 100 mal 100 Zentimeter große Leinwände verwendete, sondern auch für seine Filme. Die gefielen nicht allen, da er unter anderem Material mit nackten Menschen produzierte.

Außerdem gründete er 1966 die Rockgruppe Velvet Underground, mit der er an Shows für Nachtclubs arbeitete.

Das Attentat und die Zeit danach

Am 3. Juni 1968 sollte Andy Warhols Lebensoffenheit ein abruptes Ende finden: Er wurde Opfer eines Attentats durch die radikale Frauenrechtlerin Valerie Solanas. Sie verletzte ihn durch mehrere Schusswunden lebensgefährlich, weshalb er längere Zeit im Krankenhaus verbrachte. Sein offener Umgang mit den Factory-Mitarbeitern und Besuchern als auch sein Werk änderten sich. Er zog sich zurück, arbeitete jedoch weiterhin als Künstler und stellte aus, wie zum Beispiel 1984 auf der Gruppenausstellung „Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf“. Außerdem schrieb er ein Theaterstück. Sein 1986 veröffentlichter Fotoband „Amerika“ avancierte sogar zum Bestseller.

Sein letztes Werk bildet das Abendmahl von Leonardo Da Vinci ab. Am 22. Februar 1987 starb Andy Warhol während einer Gallenblasenoperation im New York Hospital. Die Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt.

Fazit

Andy Warhol bleibt mit seiner eigentümlichen Pop Art-Kunst für immer in Erinnerung. Er prägte die moderne Kunstszene wie kein zweiter und machte sie für die breite Masse konsumierbar. Neben seinen unzähligen Siebdrucken schuf er auch viele andere künstlerische Werke wie Filme, Bücher und Theaterstücke. Nach dem Attentat im Jahre 1968, das er nur knapp überlebte, wurde es stiller um ihn. Er schottete sich zunehmend ab, produzierte aber weiterhin unaufhaltsam Kunst bis zu seinem Tod im Jahre 1987. Seine millionenschweren Werke sind heute gefragter denn je.