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Die deutschen Wurzeln des Filmstars

Als Leonardo DiCaprio 1974 zur Welt kommt, ist der Weg ins Filmgeschäft schon gar nicht mehr so weit - geboren wird er nämlich in Hollywood, Los Angeles. Dabei verrät sein zweiter Vorname, Wilhelm, seine deutschen Wurzeln. Mutter Irmelin war in den 1950er Jahren aus dem nordrhein-westfälischen Oer-Erkenschwick in die USA emigriert, Großmutter Helene Indenbirken lebt bis zu ihrem Tod 2008 in der deutschen Kleinstadt. Der Kontakt zum berühmten Enkelsohn riss nie ab. Leonardo ließ es sich nicht nehmen, seine geliebte Oma regelmäßig in Nordrhein-Westfalen zu besuchen.

Ein Teenager auf dem Weg zum Charakterdarsteller

Seine Karriere vor der Kamera beginnt er als 14-Jähriger mit Auftritten in Werbespots. 1991 folgt das Spielfilmdebüt im B-Movie „Critters 3“, im gleichen Jahr wird er auch für die beliebte TV-Serie „Unser lautes Heim“ gecastet. Zwei Jahre lang steht er hier als Straßenjunge Luke Brower vor der Kamera und wird so erstmals einem breiteren Publikum bekannt. Mit erst 19 Jahren pflastert er den Weg zum Charakterdarsteller und spielt 1993 gleich zwei bemerkenswerte Filmrollen: In „This Boy's Life“ an der Seite von Robert DeNiro, einem der wichtigsten Schauspieler seiner Generation, und in „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ neben Johnny Depp. In Letzterem spielt er sehr bewegend einen geistig behinderten Jungen und verdient sich seine erste Oscar-Nominierung.

Leonardo DiCaprio wird Mädchenschwarm

Den Weg zum Teenieschwarm beschreitet Leonardo DiCaprio erstmals im Jahr 1996: Als tragisches Liebespaar in Baz Luhrmanns „William Shakespeares Romeo + Julia“ mit Claire Danes sorgt der damals 22-Jährige für Tränen beim jungen Publikum. Ein Jahr später folgt der echte Hollywood-Durchbruch, als James Cameron den Jungstar für „Titanic“ castet. Das Katastrophendrama bricht alle Rekorde und gilt lange Zeit als erfolgreichster Film überhaupt, den Namen Leonardo DiCaprio kennt mittlerweile jeder.

Eine neue Ära mit Martin Scorsese

Auf seinem neuen Ruf als Mädchenschwarm ruht sich der ehrgeizige Schauspieler jedoch nicht aus und trifft weiter eine außergewöhnlich gute Rollenwahl - etwas, das ihn von anderen Hollywood-Darstellern bis heute unterscheidet. 2002 arbeitet Leo das erste Mal mit Martin Scorsese zusammen und löst Robert DeNiro als Lieblingsschauspieler des Regie-Genies ab. „Gangs of New York“ ist der erste gemeinsame Film, es folgen „Aviator“, „Departed - Unter Feinden“, „Shutter Island“ und „The Wolf of Wall Street“.

Die fünf gemeinsamen Filme werden alle zu riesigen Box-Office-Hits und verdienen sich insgesamt 31 Oscar-Nominierungen, neun davon können sie gewinnen. Bemerkenswert ist, dass sich das Duo Scorsese-DiCaprio nicht auf einem Genre ausruht, sondern vom Biopic über Crime-Thriller und Psychodrama bis hin zur Komödie alles abdeckt. Kein Wunder, so gilt die Vielfältigkeit von DiCaprios Schauspiel als eines seiner Markenzeichen.

Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese
"Shutter Island“ ist die vierte Zusammenarbeit zwischen Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese. © Concorde

 

Kein Problem: Leonardo DiCaprio als Bösewicht

Mit seinem verschmitzten Charme füllt er comedyhafte Rollen wie in „Catch Me If You Can“ genauso überzeugend aus wie manisch getriebene Figuren, siehe „Aviator“ oder „J. Edgar“. Aber auch moralisch ambivalente Charaktere, beispielsweise als Diamantenschmuggler in „Blood Diamond“, oder als Antagonist in Quentin Tarantinos Film „Django Unchained“, in dem er einen menschenverachtenden Plantagenbesitzer spielt, bringt DiCaprio mühelos auf die Leinwand.

Leonardo DiCaprio und die Oscars

Seinen ersten Oscar gewinnt Leonardo DiCaprio allerdings nicht mit Martin Scorsese, sondern unter Regisseur Alejandro Inarritu für „The Revenant“. Seine authentische Darstellung eines Trappers, der in der Wildnis Nordamerikas um sein Leben kämpft, bringt ihm mit 41 Jahren unter Standing Ovations des Publikums einen längst überfälligen Academy Award ein. Zuvor war er bereits fünfmal nominiert, darunter für „Aviator“, „Blood Diamond“ und „The Wolf of Wall Street“.  

Leonardo DiCaprio in "The Revenant"
2016 erhält Leonardo DiCaprio für „The Revenant“ im sechsten Anlauf endlich den Oscar. © 20th Century Fox

Herzensthema Umwelt

Privat engagiert sich der Schauspieler stark für die Umwelt. Mit 24 Jahren gründet er eine Stiftung, die sich vor allem gegen den globalen Klimawandel einsetzt. Weitere zentrale Themen sind der Erhalt der Meere und Naturflächen sowie die Rechte von Naturvölkern. In seiner Dankesrede bei der Oscar-Verleihung 2016 weist der Awardgewinner maßgeblich auf die globale Erwärmung als größte Gefahr für die Menschheit hin und betont, dass es in „The Revenant“ um die Beziehung zwischen Mensch und Natur ginge.

Im April 2016 hält er in seiner Rolle als UN-Friedensbotschafter eine Rede vor der UN anlässlich der Unterzeichnung des „Pariser Abkommens“, genau wie bei der „Our Ocean Conference“ in Washington D.C. unter der Leitung von John Kerry. Hier spricht DiCaprio auch über sein Herzensprojekt „Before the Flood“. Der Dokumentarfilm feiert im September 2016 Premiere und zeigt die Auswirkungen des Klimawandels.

Fazit

Mit anspruchsvollen Rollen in Dramen wie „This Boy's Life“ oder „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ macht sich Leonardo DiCaprio schon als Teenager einen Namen als Charakterdarsteller. Der endgültige Durchbruch in Hollywood folgt mit „Titanic“: James Camerons Herzschmerz-Drama wird zum Megahit und macht den Jungdarsteller über Nacht zum Mädchenschwarm. Ein neues Kapitel schlägt DiCaprio durch die Zusammenarbeit mit Martin Scorsese auf. „Gangs of New York“ ist der erste von fünf gemeinsamen Filmen, die Leonardo DiCaprios Status als größter Star in Hollywood weiter festigen. 2016 werden seine Mühen im sechsten Anlauf auch endlich belohnt: Für „The Revenant“ gibt es den lang ersehnten Oscar. Einen Namen macht sich DiCaprio neben seiner Arbeit vor der Kamera auch mit seinem großen Engagement für die Umwelt.