- Bildquelle: Reinhard Kirchner © Reinhard Kirchner

Osterbräuche rund ums Ei

Das Ei symbolisiert in der christlichen Tradition die Auferstehung und gehört daher bei fast allen Osterbräuchen weltweit mit dazu. Doch auch bei anderen Religionen und heidnischen Bräuchen spielt das Ei als Symbol eine wichtige Rolle. Im jüdischen Pessach-Fest, worauf das christliche Osterfest zurückgeht, steht das Ei zum Beispiel für die menschliche Fruchtbarkeit, aber auch für die Zerbrechlichkeit des menschlichen Schicksals. Auch das Motiv der Schöpfung, der Entstehung von Leben, ist eng mit dem Ei verknüpft. Eier zu dekorieren war allerdings schon lange vor dem ersten Osterfest Tradition – entsprechende Funde verzierter Straußeneier im südlichen Afrika von vor rund 60.000 Jahren sind der Beweis.

Heutzutage sind vor allem die Sorben für ihre kunstvoll geschmückten Ostereier bekannt. Die Farben haben ebenfalls eine starke Symbolkraft: Rot steht für den Opfertod Christi, Weiß für die Reinheit, Grün für Jugend und Unschuld, Gelb für den Wunsch nach Weisheit und Erleuchtung. Orange symbolisiert Kraft, Ausdauer und Ehrgeiz. Die Ostereier werden bei den meisten Bräuchen versteckt, aber es gibt auch Traditionen, bei denen die Eier geworfen werden. Dabei gehen sie früher oder später kaputt, doch wessen Ei am längsten heil bleibt, hat gewonnen – so der Kern dieser Eierwurfbräuche. Ähnliches gilt für das Ostereiertitschen oder -pecken: Die Eier werden aneinandergestoßen und der Sieger ist der, dessen Ei dabei keinen Schaden nimmt. Andere Osterbräuche sehen vor, dass ein Kind eine Münze auf das Ei eines anderen Kindes wirft. Bleibt die Münze stecken, bekommt das erste Kind das Ei, wenn nicht, bekommt das andere Kind die Münze.

Woher kommt der Osterhase?

Vor allem im deutschsprachigen Raum ist es der Osterhase, der die Eier im Garten versteckt. Ursprünglich gab es noch den Osterfuchs in Westfalen, den Storch in Thüringen und den Hahn in Böhmen, die die Kinder mit Ostereiern beglückten. Inzwischen hat sich der Osterhase jedoch gegen seine tierischen Konkurrenten durchgesetzt und es über Auswanderer als ″easter bunny″ auch in die USA geschafft. Der Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau beschrieb den Osterbrauch mit dem Osterhasen bereits im Jahr 1682. Möglich ist, dass der Hase wie auch das Ei als Symbol für die Auferstehung und die Fruchtbarkeit steht, und deswegen für viele Menschen heutzutage nicht mehr aus dem Osterfest wegzudenken ist.

In Australien erfreut sich der Osterhase indes nicht so großer Beliebtheit, was er seinen Cousins, den Kaninchen, zu verdanken hat. Diese wurden vor etwa 150 Jahren durch europäische Siedler mit nach Australien gebracht und vermehrten sich dort rasant. Ohne ihre gewohnten natürlichen Fressfeinde entwickelten sich die Hasentiere zu einer wahren Plage, da sie alles kahl fressen und die einheimischen Tierarten gefährden. Daher gibt es in Australien neben dem Osterhasen einen Oster-Bilby. Der Bilby, ein Nasenbeutler, gehört zu den Beuteltieren und sieht mit seinen langen Ohren ein wenig wie ein Hase aus. In Frankreich sind es traditionell die österlichen Kirchenglocken, die den Kindern Süßigkeiten bringen. Die Kirchenglocken stehen von Karfreitag bis zum frühen Morgen des Ostersonntags still. Den Kindern wird erzählt, sie besuchten den Papst in Rom und brächten die Leckereien am Ostersonntag wieder mit. In Schweden sorgt das Osterküken für glückliche Kinder und Süßigkeiten.

Osterbilby Kaninchennasenbeutler
In Australien kommt zu Ostern der Oster-Bilby. © John Gould

Was es mit dem Osterfeuer auf sich hat

Am Karsamstag werden in verschiedenen deutschsprachigen Regionen, aber auch in anderen Teilen der Welt, Osterfeuer entzündet. Dabei handelt es sich um riesige Lagerfeuer aus Baum- und Strauchschnitt, manchmal befindet sich außerdem eine Hexenpuppe aus Stroh auf dem Stapel, die mit verbrannt wird. In einigen Regionen kommt eine Puppe oder ein Baumstamm, die Judas symbolisieren, mit ins Feuer. Judas war derjenige Jünger, der Christus verraten hat. Die Osterfeuer – im Harz auch Ostermeiler genannt – sind meist gesellige Feste, die mit Glühwein, Bier und Grillwürstchen gefeiert werden.

Osterbräuche in Skandinavien: Geheimbriefe und Osterhexen

Der Sage nach fliegt in Schweden am Gründonnerstag die Osterhexe Påskkärring auf ihren Hexenberg Blåkulla. Deswegen verkleiden sich an dem Tag Kinder mit bunten Kopftüchern und Besenstiel als Hexen und gehen mit einer leeren Kaffeekanne in der Hand von Tür zu Tür. Dort fragen sie nach Süßigkeiten und verschenken aus Dank Osterbriefe, die sie selbst gebastelt haben. Hexen gibt es in Dänemark zwar nicht zu Ostern, aber auch hier werden Briefe geschrieben. Dänische Kinder schreiben Geheimbriefe, sogenannte Gækkebrev, verzieren sie und schneiden sie aus. Auf den Geheimbriefen stehen kleine Verse und Punkte anstelle des Namens. Die Eltern müssen anschließend raten, von wem der Brief stammt. Gelingt es ihnen nicht, müssen sie ein Schokoladenei an den Absender spenden.

Gækkebrev Geheimbrief - die Ostertradition in Dänemark
In Dänemark schreiben die Kinder zu Ostern schön verzierte Geheimbriefe. © Nillerdk

Osterschaukeln in Lettland

Auch in Lettland gibt es ungewöhnliche Osterbräuche. So soll es etwa Glück bringen, sein Gesicht zu Ostern in einem Bach zu waschen, der nach Osten fließt. Außerdem ist das Osterschaukeln in Lettland sehr beliebt. Auf den Schaukeln finden mehrere Menschen Platz, die sich von der Tradition Schutz vor Mücken im Sommer sowie eine reichhaltige Ernte und gesundes Vieh erhoffen. Allerdings muss die Schaukel dafür im Anschluss verbrannt werden, damit sich keine bösen Hexen beim Osterschaukeln vergnügen und für Ungemach sorgen können.

Nasser Ostermontag in Polen und Ungarn

In Polen und Ungarn müssen die Frauen am Ostermontag Handtücher bereitlegen, denn es wird nass. Der polnische Wielkanoc, der ″nasse Montag″, geht auf eine mittelalterliche Tradition zurück, bei der Männer in die Häuser der schönsten Frauen am frühen Morgen des Ostermontags eindrangen und ihre Herzensdamen mit Wasser übergossen. Heute sind es vor allem Wasserpistolen, Wasserbomben und Eimer mit Wasser, die zum Einsatz kommen – aber zum Glück auf der Straße und nicht in der Wohnung der Auserwählten. Locsolás heißt ein ähnlicher Brauch in Ungarn, wobei die Männer erst ein Gedicht vortragen und um Erlaubnis bitten müssen, um die Damen mit Wasser zu übergießen.

Religiöse Ostertradition in Spanien

Spanien pflegt vor allem religiöse Osterbräuche. In Prozessionen ziehen etwa Bruderschaften in Umhängen und mit spitzen Kapuzen durch die Straßen. Während dieser sogenannten Semana Santa tragen sie außerdem Heiligenfiguren bei sich. Des Weiteren schmücken Kinder Palmwedel mit Süßigkeiten, die in der Ostermesse später gesegnet werden.

Spanische Ostertradition: Semana Santa
In Spanien ziehen zu Ostern religiöse Bruderschaften in Umhängen durch die Stadt. © Willtron

Fazit

Die Osterbräuche weltweit sind ganz schön unterschiedlich. In Australien bringt ein Beuteltier und nicht der Hase die Ostereier, in Polen und Ungarn wird es nass und in Spanien geht es sehr religiös zu. In Deutschland erfreuen sich vor allem Osterhase und Osterfeuer großer Beliebtheit – und Ostereier gibt es fast überall.