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So funktionieren Lager und Versand bei Amazon

Folge 4 Staffel 2

Amazon ist der Gigant unter den Versandhändlern im Internet. Wie es im Lager aussieht, wie die Bestellungen verpackt werden und wie der weitere Versand funktioniert, haben wir uns im Versandzentrum ganz genau angesehen.

16.03.2017 16:36 | 10:03 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

So funktionieren das Amazon-Lager und der Amazon-Versand

Amazon ist der Gigant unter den Online-Versandhändlern. Aber wie sieht es eigentlich im Amazon-Lager aus? Wie die Bestellungen verpackt werden und wie der weitere Amazon-Versand funktioniert, das erfahren Sie hier. Wir erklären Ihnen, wie das Internet-Kaufhaus funktioniert, und schauen uns die verschiedenen Arbeitsschritte an.

Amazon-Lager und Amazon-Versand: Ein Blick hinter die Kulissen

Wussten Sie eigentlich, dass beim größten Online Kaufhaus der Welt an Spitzentagen allein in Deutschland fast 2 Millionen Artikel verkauft werden? Das größte virtuelle Kaufhaus der Welt behauptet jedenfalls: Bei uns gibt es alles. "Bei uns" – das ist in diesem Fall in Bad Hersfeld, im Logistikzentrum von Amazon.

Doch wie viele Artikel hat der Online-Riese genau im Sortiment? Amazon-Chef-Logistiker Michael Bauer müsste es eigentlich wissen: "Genau sagen kann man das nicht, es gibt mehrere Millionen Produkte. Es kommen jeden Tag neue Produkte hinzu. Wir bemühen uns, dass wir alles anbieten können, was die Kunden sich vorstellen. Wir wollen für die Kunden keine Vorauswahl treffen, sondern jeder Kunde soll das finden, was er finden möchte."

Hat Amazon wirklich alles auf Lager?

Klingt erst mal toll. Aber: Stimmt das - und wenn ja, funktioniert das auch immer? Was passiert, wenn wir zum Beispiel eine DVD bestellt, die noch gar nicht auf dem Markt ist? Bei Amazon kann man diese vorbestellen, und zwar mit der Garantie, dass die CD oder DVD pünktlich zum Erscheinungsdatum im Briefkasten liegen soll.

Amazon ist der weltweit größte Online-Händler.
Amazon ist der weltweit größte Online-Händler. © Amazon

Scannen ist das A und O im Amazon-Lager

Die DVDs und alle anderen frisch angelieferten Produkte kommen zum sogenannten "Receive", zu Deutsch: Empfang. Hier wird jeder einzelne Artikel ausgepackt und gescannt. Das Scannen der Ladung ist ein extrem wichtiger Arbeitsschritt. Ein Hochleistungsrechner merkt sich nämlich die Barcordes. So behält der Online-Händler den Überblick über das Amazon-Lager und weiß ganz genau, was da ist und was fehlt.

Chaos im Amazon-Lager?

Zuständig fürs Einsortieren der neuen Ware im Amazon-Lager sind die sogenannten Stower, auf Deutsch: Belader. Das System beim Beladen? Keines, oder besser gesagt: Chaos. Denn beim Internet-Kaufhaus lagert alles wild durcheinander. Die Logistiker nennen es: chaotische Lagerhaltung. Doch was hat es damit nur auf sich?

Amazon-Logistik Chef Michael Bauer erklärt: "Chaotische Lagerhaltung ist eine Methode, Waren einzulagern - sehr platzsparend. Wenn man sich vorstellt, dass man eigene Lagerplätze vorhält. Für jeden individuellen Artikel braucht man sehr viel Platz. Wenn einer dieser Artikel nicht vorhanden ist, würde ein Platz leer stehen und kann für andere Artikel nicht genutzt werden. Deshalb lagert man Artikel zusammen auf einem Lagerplatz gemeinsam." Aber selbst in diesem Chaos gibt es Regeln: "Hier haben wir zum Beispiel ein Produkt, das richtig nach den Regeln eingelagert wurde. Das hier ist ein Spielzeug und in den umliegenden Fächern darf kein weiteres Spielzeug eingelagert werden. Der Grund für die Regel ist, dass der, der es später wieder entnimmt, keine Verwechslungen macht."

Besonders wichtig im Amazon-Lager: der Scanner. Der Stower scannt den Barcode auf Artikel und Regalfach, der Computer behält also dann den Überblick über das Chaos.

Im Amazon-Lager setzt man bewusst auf chaotische Lagerhaltung.
Im Amazon-Lager setzt man bewusst auf chaotische Lagerhaltung.

Vom Amazon-Lager zum Amazon-Versand

Wussten sie eigentlich, dass sich an Spitzentagen pro Sekunde 20 bestellte Artikel auf den Weg machen? Doch wie genau funktioniert eigentlich der Amazon-Versand? Es kommen rund 30 Laserdrucker ins Spiel. Von morgens um halb sieben bis nachts um 12 Uhr drucken sie Bestellungen für den Amazon-Versand auf sogenannte Pick-Listen aus. Auf den Listen steht genau, wo die Artikel gelagert sind.

Die sogenannten "Picker" machen sich damit auf den Weg und suchen die Bestellungen zusammen, sie "picken" sie dann aus dem Regal, daher auch der Name. Lagern Artikel weit auseinander, landen sie auf verschiedenen Listen, um Wege und Zeit zu sparen.

Amazon-Versand: Jetzt geht’s an die Verpackung

Ein Computer regelt übrigens das Zusammenführen der Bestellungen für den Amazon-Versand. Auch, wenn diese in unterschiedlichen Kisten unterwegs sind, steuert der Computer diese so über 5 Kilometer lange Förderbänder, dass alle Artikel einer Bestellung direkt hintereinander bei der nächsten Station im Amazon-Lager ankommen.

Ein Angestellter bringt die verschiedenen Artikel dann zusammen. Und wieder kommt der Scanner zum Einsatz: Der Barcode des Artikels wird gecheckt und der PC sagt, zu welcher Bestellung er gehört. Alle Artikel einer Bestellung landen anschließend in einer blauen Box und kommen so zur Verpackung für den Amazon-Versand.

Wer glaubt, das geht automatisch, der täuscht sich: Verpacken ist im Amazon-Lager immer noch Handarbeit. Michael Bauer erklärt auch, warum: "Die Verpackung von Hand ist erforderlich, weil Maschinenverpackung eine gewisse Standardgröße von Produkten erfordert und die Vielfalt, von mehreren Millionen Produkten, die wir führen, die sind alle verschiedenartig, manche sind größer, manche sind kleiner - das lässt sich nur bewerkstelligen mit der Flexibilität von Menschen."

Standorte weltweit

Hätten Sie gewusst, dass Amazon Patent auf die "1-Klick"-Kauffunktion hält? Möchte ein Unternehmen diese Funktion nutzen, dann werden Gebühren fällig. Und: Wussten Sie, dass an Spitzentagen fast zwei Millionen Artikel die deutschen Logistikzentren verlassen? Das sind 297 Lkw voll mit Päckchen. Weltweit sind es sogar fast 10 Millionen Artikel.

Fazit

Im Amazon-Lager und beim Amazon-Versand herrscht Chaos. Beim weltweit größten Online-Händler lagern die Waren auf den ersten Blick wahllos durcheinander. Doch das mit voller Absicht. Denn hinter dem Chaos steckt ein platzsparendes und effizientes System. Wer hätte das gedacht?

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