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Die Challenger-Katastrophe

Im Januar 1986 startet die „Challenger“ zu ihrer zehnten Reise ins All. Da passiert das Unglück: Es kommt zu einer Explosion. Wie konnte das passieren?

Schock in der Raumfahrt: Die Challenger-Katastrophe

Die Challenger-Katastrophe

Es gilt als eines der größten Unglücke der Raumfahrt: Im Januar 1986 startet die „Challenger“ bei klirrenden Temperaturen zu ihrer zehnten Reise ins All. Etliche Zuschauer am Weltraumbahnhof Cape Canaveral und Millionen vor den Fernsehschirmen warten gespannt auf den Lift-off.

Doch wenige Sekunden nach dem Start der Raumfähre, in der mit einer Grundschullehrerin erstmals eine Nicht-Astronautin auf dem Weg in den Orbit ist, findet der Flug ein jähes Ende: Es kommt zu einer Explosion und die Rakete bricht auseinander. Die komplette Crew stirbt bei dem Unglück. Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen?

Bedenken im Vorfeld

Vor dieser Mission hat das Space-Shuttle neun vollständige Flüge absolviert und 69 Tage im Weltraum verbracht. Ursprünglich ist der Missionsstart für den 22. Januar angesetzt, muss aber mehrfach verschoben werden. Auch unmittelbar bevor die Raumfähre am 28. Januar 1986 zum zehnten Mal starten soll, gibt es unter einigen Konstrukteuren große Bedenken. Der Grund: das Wetter. Am Abend vor dem Start äußern Ingenieure des Raketenherstellers Morton Thiokol, allen voran Roger Boisjoly, enorme Bedenken. Wegen der Kälte – zum Zeitpunkt des Starts sollen es laut Vorhersage -3 Grad Celsius werden – warnen sie vor einer Fehlfunktion der Dichtungs-O-Ringe an den Feststoffraketen. Boisjoly befürchtet eine Explosion auf der Startrampe. Doch nach einem kurzfristigen Meeting halten hochrangige Tiere von Thiokol und die NASA am Start fest. Ein schwerer Fehler…

Das Shuttle explodiert nach dem Start

Der Abschuss am nächsten Morgen findet bei 2 Grad Celsius statt. Und die Katastrophe nimmt deshalb ihren Lauf. Doch davon wissen die fünf Astronauten und zwei Nutzlastspezialisten an Bord nichts. Auch nicht Grundschullehrerin Christa McAuliffe, die als erste Nicht-Astronautin in den Orbit fliegen soll.

Die Crew an Bord der Challenger
v.l.n.r. Vorne: Michael Smith, Francis Scobee, Ronald McNair, Hinten: Ellison Onizuka, Christa McAuliffe, Gregory Jarvis, Judith Resnik © NASA

Beim Start verläuft scheinbar alles normal, Bodencrew und Shuttlebesatzung gehen den üblichen Ablauf durch, die Rakete hebt ab. Zunächst läuft alles glatt. „Spüre wie sie loszieht. Wohoo“, ist Pilot Michael J. Smith nach rund einer Minute zu hören, als die Rakete Vollgas gibt. Doch dann bemerkt der Pilot plötzlich einen leichten Ruck. Seine letzten übertragenen Worte lauten: „Uh-oh“.

Dann passiert es: Nur 73 Sekunden, nachdem die Mission STS-51-L gestartet ist, zerbricht das NASA-Space-Shuttle in knapp 15 Kilometern Höhe über dem Atlantischen Ozean. Alle sieben Insassen sterben bei dem Unglück. Einige Crewmitglieder überleben zwar das Auseinanderbrechen der Challenger, kommen aber ums Leben, als die Mannschaftskabine knapp drei Minuten später mit mehr als 300 Stundenkilometern auf die Oberfläche des Wassers prallt. Der bis dahin schwärzeste Tag in der Geschichte der Raumfahrtbehörde.

Was waren die Gründe?

Aufgrund der niedrigen Temperaturen versagt – wie prophezeit – wenige Sekunden nach dem Start mindestens einer der Dichtungs-O-Ringe der Feststoffrakete. Dadurch tritt direkt nach dem Lift-off Gas aus einem Leck an der Seite aus. Durch eine Kettenreaktion reißt nach einiger Zeit der rechte Booster der Raumfähre den Wasserstofftank auf. Durch den Austritt großer Mengen von Sauer- und Wasserstoff entsteht die Explosion, welche auf den Fernsehbildern deutlich zu sehen ist. Das Shuttle wird jedoch letztendlich durch die enormen aerodynamischen Kräfte zerstört. 

Rauchwolke anstelle der Challenger: Die Feststoffraketen fliegen unkontrollie...
Rauchwolke anstelle der Challenger: Die Feststoffraketen fliegen unkontrolliert weiter. © NASA

Aufarbeitung durch die Rogers-Kommission

Klar, dass die Katastrophe und ihre Hintergründe umgehend genauer untersucht werden. Das Shuttle-Programm wird zunächst für zwei Monate unterbrochen, US-Präsident Ronald Reagan ruft einen Untersuchungsausschuss ins Leben: die Rogers-Kommission.

Diese findet heraus, dass die Organisationskultur und die Entscheidungsprozesse bei der NASA Hauptfaktoren für die Tragödie waren. Bereits seit 1977 sollen NASA Mitarbeiter gewusst haben, dass die O-Ringe von Hersteller Thiokol potenziell gefährlich sind, hatten das Problem aber außer Acht gelassen.

Zudem missachteten die NASA-Verantwortlichen die Warnungen der Thiokol-Ingenieure, dass die niedrigen Temperaturen am 28. Januar eine erhebliche Gefahr darstellten. Stattdessen drängte das Management auf einen Start, welcher nach mehrmaligen Verzögerungen nicht noch einmal verschoben werden sollte.

Auch die Führungskräfte von Thiokol haben laut Rogers-Kommission erheblich zu dem Challenger-Unglück beigetragen, indem sie – bei vorbereitenden Besprechungen zum Teil kaum anwesend – entgegen den Empfehlungen der Ingenieure eine Startfreigabe erteilten. Zudem wurde die Einsparung eines Rettungssystems kritisiert, ein Fallschirm in der Kapsel hätte womöglich das Leben der Crew retten können.

Die Folgen des Unglücks

Die Challenger-Katastrophe wirkt wie ein nationales Trauma. Millionen Zuschauer haben die Tragödie live in Cape Canaveral oder vor den Fernsehschirmen verfolgt.  Auch das Raumfahrtprogramm der NASA erleidet natürlich einen schweren Rückschlag. Es wird ein komplettes Startverbot für alle Shuttle festgelegt. In den nächsten zweieinhalb Jahren arbeitet die Raumfahrtbehörde an Verbesserungen ihres Programms. Vor allem der Start soll sicherer gemacht werden. Insgesamt nimmt die NASA über 2.000 Änderungen an ihrem Shuttle-System vor. Erst am 29. September 1988 startet das nächste Shuttle, als die Discovery in den Weltraum aufbricht. In den folgenden Jahren läuft das Programm reibungslos ab. Erst 15 Jahre später kommt es zu einer weiteren Katastrophe. Doch das ist eine andere Geschichte.

Fazit: Die Challenger-Katastrophe hätte verhindert werden können, ja sogar müssen. Den Ingenieuren war das Gefahrenpotenzial der Dichtungsringe bei niedrigen Temperaturen bekannt und bewusst, auch die NASA war informiert. Doch Termindruck von Seiten der NASA und die Angst der hochrangigen Thiokol-Manager, womöglich einen wichtigen Kunden zu verlieren, wischten alle Bedenken beiseite. Sieben Menschen bezahlten dies mit ihrem Leben.

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