DER STIFTER: ALFRED NOBEL

Begründet wird der Nobelpreis durch den schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel. Er experimentiert als junger Mann mit dem Sprengmittel Nitroglycerin, ein gefährliches Vorhaben. Bei einem Unglück im Labor sterben mehrere Personen – darunter auch Nobels Bruder Emil. Daraufhin verschreibt sich der 1833 in Stockholm geborene Chemiker der Suche nach einem sichereren Sprengstoff.

Alfred Nobel entwickelt zunächst die Initialzündung und entdeckt wenige Jahre später, dass sich Nitroglycerin mit Kieselerde vermischen lässt. Der Sprengstoff kann so plötzlich gefahrenlos transportiert werden – damals eine Sensation. Unter dem Namen Dynamit patentiert sich Alfred Nobel sein gerüchteweise nur durch Zufall gefundenes Produkt und gelangt zu großem Reichtum.

Ironie des Schicksals: Der zukünftige Stifter gilt als Pazifist, liefert mit Dynamit aber eine effiziente und wichtige Kriegswaffe. Eine Zeitung nennt Alfred Nobel daher sogar "Kaufmann des Todes", was den Begründer des Nobelpreises erschüttert haben soll.

NOBELS TESTAMENT: DIE GESCHICHTE DER NOBELPREISE BEGINNT

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum Alfred Nobel den Großteil seines Vermögens einer Stiftung vererbt. Die genauen Motive des kinderlosen Unternehmers sind jedoch nicht bekannt. Per Testament hält er fest, dass diese Stiftung jährlich einen Preis an die Personen verleihen soll, "die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben."

Dem Willen des Stifters nach sollen diese Auszeichnungen in den fünf Gebieten Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden vergeben werden. Er beschließt außerdem, dass die Träger des Nobelpreises jeweils einen Anteil der Zinsen, die der Stiftungsfonds in dem Jahr erwirtschaftet, bekommen sollen.

Am 10. November 1896 stirbt Alfred Nobel – bis zur Verleihung der ersten Nobelpreise sollen allerdings noch ein paar Jahre vergehen. Es dauert, bis seine Verwandtschaft das Testament anerkennt. Erst im Jahr 1900 wird die Nobelstiftung gegründet.

1901: DIE ERSTE NOBELPREIS-VERLEIHUNG

Ein Jahr später ist es soweit: Die ersten Nobelpreise der Geschichte werden in Stockholm verliehen. Zu den Preisträgern zählen unter anderem der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen, Entdecker der nach ihm benannten Strahlen, sowie sein deutscher Landsmann Emil von Behring. Der Mediziner hatte ein Heilmittel gegen Diphterie und Tetanus erfunden.

Seit 1901 verleiht die Nobelstiftung die Preise in der schwedischen Hauptstadt – und zwar traditionell jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Der Friedensnobelpreis wird zwar am gleichen Tag verliehen, allerdings in Oslo. Warum der Stifter die Stadt als zweiten Vergabeort wählte, ist nicht bekannt. Zu Lebzeiten Nobels befanden sich Schweden und Norwegen in einer Union, das Verhältnis beider Länder galt zum Ende des 19. Jahrhunderts jedoch als angespannt.

DER WIRTSCHAFTSNOBELPREIS

Im Laufe seiner Geschichte erhält der Nobelpreis noch eine weitere Kategorie: Seit 1969 gibt es den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, der zusammen mit den anderen Auszeichnungen verliehen wird. Das Besondere: Das Preisgeld stammt nicht aus dem Fonds der Stiftung, sondern von der Schwedischen Reichsbank. Derzeit erhalten alle Preisträger umgerechnet etwa 800.000 Euro.

WER WÄHLT DIE PREISTRÄGER AUS?

Insgesamt entscheiden vier verschiedene Komitees darüber, wer einen der Nobelpreise erhält: Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaft kürt die Gewinner in den Kategorien Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften. Der Preis für Medizin wird vom Karolinska-Institut vergeben, während die Schwedische Akademie den Literaturnobelpreisträger bestimmt. Zu guter Letzt bestimmt ein vom norwegischen Parlament gewähltes Nobelkomitee den Träger des Friedensnobelpreises.

Ein Preis kann an bis zu maximal drei Personen verliehen werden, wobei die Stiftung auch Institutionen auszeichnen darf. So erhielt die Europäische Union 2012 den Friedensnobelpreis. Eine weitere wichtige Regel bei der Vergabe: Nur lebende Personen können für die Auszeichnung eine Nominierung erhalten. In der Geschichte des Nobelpreises änderte die Stiftung die Regelung, ob ein Preisträger zur Zeit der Verleihung noch am Leben sein muss, mehrfach. Seit 1974 gilt: Stirbt die Person erst nach der Bekanntgabe, erhält sie den Preis auch posthum.

BEKANNTGABE DER NOBELPREISE

Verliehen werden die Nobelpreise am 10. Dezember, wer sich in Stockholm und Oslo über eine Auszeichnung freuen kann, enthüllen die Komitees aber in der Regel schon im Oktober. Traditionell erfahren die Preisträger ganz unspektakulär per Telefon von der großen Ehre. So manch einer soll daher schon geglaubt haben, bloß Opfer eines Telefonstreichs zu sein, als der Anruf aus Schweden beziehungsweise Norwegen einging.

BEKANNTE PREISTRÄGER

In seiner langen Geschichte zeichnete der Nobelpreis mehrere Hundert Personen aus. Einige wenige Forscher wie Marie Curie oder der Physiker John Bardeen konnten die Schwedische Akademie der Wissenschaften gleich zweimal überzeugen. Der bislang älteste Preisträger war der Wirtschaftswissenschaftler Leonid Hurwicz mit 90 Jahren und 111 Tagen. Als Jüngste nahm die Kinderrechtlerin Malala Yousafzai 2014 die Auszeichnung entgegen – sie war damals gerade erst 17 Jahre alt.

Bekannte deutsche Wissenschaftler, die einen Nobelpreis erhielten, sind unter anderem Otto Hahn, Robert Koch, Max Planck oder Albert Einstein. Auch in der Kategorie Literatur ging der Preis bereits mehrfach an deutsche Schriftsteller. Thomas Mann, Herrmann Hesse und Herta Müller sind hier nur einige prominente Namen. Willy Brandt und Albert Schweitzer zählen wiederum zu den deutschen Friedensnobelpreisträgern.

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