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Fakten über Polizei weltweit - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 47 Staffel 1

Sie sind unsere Freunde und Helfer: Polizisten. Egal ob in Deutschland oder die Cops in den USA - sie sorgen für Recht und Ordnung. Doch es geht auch ziemlich skurril.

11.10.2016 15:25 | 4:28 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Beispiel Indien

Polizei weltweit: Ordnungshüter mit skurrilen Aufgaben

Sie ist unser Freund und Helfer: die Polizei. Weltweit – egal, ob in Deutschland oder in den USA – sorgt sie für Recht und Ordnung. Doch mancherorts gibt es Sittenhüter, die besonders skurrile Aufgaben haben, wie zum Beispiel in Indien …

Spuckpolizei in Mumbai

In Mumbai gibt es eine ganz besondere Polizei. Weltweit dürfte es von diesen Cops nicht allzu viele geben, denn sie haben die Aufgabe, nach Spucksündern Ausschau zu halten. Sittenwächterin Rajashree Kamble ist jeden Tag auf Streifzug und ertappt die Spucker auf frischer Tat, schmutzige Straßen will man in der boomenden Wirtschaftsmetropole nämlich nicht haben. Kamble ist Teil eines 25-köpfigen Teams.

Es dauert nicht lange, und schon läuft ihnen der erste Übeltäter in die Arme. Dieser redet sich heraus: "Ich habe doch gespuckt, wo jeder hinspuckt und nicht auf den Gehweg." Dafür haben die Cops kein Verständnis und kontern: "Soll das heißen: Wenn Sie hierher pinkeln, dann kann ich auch hier pinkeln oder wie stellen Sie sich das vor?" Der Mann muss Strafe zahlen, doch er gibt vor, kein Geld dabeizuhaben. Rajashree: "Wenn Sie nicht zahlen, gehen wir zur Polizei und dort müssen Sie dann 1.200 Rupien zahlen!" Zahlt er sofort, sind es 200 Rupien – umgerechnet rund drei Euro. Für indische Verhältnisse eine sehr hohe Strafe, denn für viele Einwohner ist das mehr als ein Tageslohn.

In solchen Situationen kann die Stimmung umschlagen, weiß Rajashree und berichtet von seinen Erfahrungen: "Ich bin da und sage, was er tun soll. Wenn die Leute Strafe zahlen müssen, sind sie natürlich sauer auf mich. Manchmal werden sie auch aggressiv." Das wiederum gehört wohl für jedes Mitglied der Polizei weltweit zum Alltag.

Die Straßen von Mumbai
Damit es auf den Straßen der Metropole Mumbai nicht drunter und drüber geht, braucht es eine Spezial-Polizei, die weltweit gesehen eine ganz besondere Aufgabe hat: Spucksünder ausfindig zu machen.

Rattenwächter als "Polizei" – weltweit einzigartig

Doch in Indien gibt es noch einen Ordnungshüter, der für tierische Bewohner verantwortlich ist. Westlich von der Hauptstadt Delhi befindet sich der Bundesstaat Rajasthan, was wörtlich übersetzt "Land der Könige" bedeutet: Tatsächlich ist es die Heimat der legendären Maharadschas, das Land der Paläste, der Wüste und der Kamele. Und mittendrin: wohl einer der skurrilsten Tempel der Welt – mit einem für Europäer sehr ungewöhnlichen Kult. Im Karni-Mata-Tempel werden seit 600 Jahren Ratten als Heilige verehrt.

Tausende Besucher pilgern jährlich zu dem Tempel, um sie zu sehen: 20.000 Ratten, die frei herumlaufen. Für gläubige Hindus sind die Nagetiere aber nicht einfach nur Ratten. Hindus glauben an Wiedergeburt und in den Nagern sehen sie ihre verstorbenen Vorfahren. Angst und Ekel vor Ratten sollte man als Besucher dieses Tempels nicht haben. Die Rattenwächter hüten die kleinen Nager und passen auf, dass es ihnen gut geht. Fast wie ein richtiger Cop bei der Polizei, doch weltweit einzigartig, was das Einsatzgebiet angeht. Und natürlich dürfen die Ratten auch auf dem selbst ernannten Tempelpolizisten herumtollen.

Wie in indischen Tempeln üblich, darf man nur barfuß hinein. Und das bedeutet ebenfalls: barfuß durch den Rattenkot. Für Ängstliche oder Kinder sind höchstens Strümpfe erlaubt. Dagegen bringt es den Besuchern Glück, wenn einem eine Ratte über die Füße läuft.

Der Karni-Mata-Tempel
Besucher dürfen im Karni-Mata-Tempel nur barfuß herumlaufen – für viele gewöhnungsbedürftig, nicht zuletzt angesichts der zahlreichen Ratten, die sich hier tummeln. © Instagram_megan.dvch

Eine lange Pilgerschlange bildet sich immer vor dem Allerheiligsten. Hier findet die Anbetung der Namenspatronin des Tempels statt: Karni Mata, eine Frau, die vor 600 Jahren gelebt haben soll und schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt wurde. Auf sie geht die Legende zurück, dass alle ihre Nachfahren als Ratten wiedergeboren werden. Deshalb bringen die Gläubigen den Tieren immer Speisen mit – zum einen als Opfergabe für die Göttin Karna Mati. Zum anderen ist es so, als würden die Gläubigen ihren Vorfahren etwas zu Essen mitbringen, denn jede der Ratten könnte schließlich der verstorbene Großvater sein.

Ob die Ratten jedoch wissen, dass sie einen Wächter haben, der stets auf sie aufpasst, wird man vermutlich nie herausfinden. Und so lange werden die Nager weiterhin den Tempel verwüsten und so für genügend Arbeit sorgen bei der hiesigen "Polizei" – weltweit wohl einer der skurrilsten Ordnungshüter-Jobs.

Fazit: Während Polizisten vielerorts bei Unfällen anrücken, Verbrechen aufklären und den Verkehr regeln, gibt es in Indien eine ganz besondere "Polizei" – weltweit gesehen, wohl mit einigen der skurrilsten Aufgaben. So halten in Mumbai beispielsweise Sittenwächter tagtäglich nach Menschen Ausschau, die auf die Straße spucken, um die Übeltäter mit einem Bußgeld zu belegen. Im Bundesstaat Rajasthan gibt es sogar Ordnungshüter, die auf eine Horde Ratten aufpassen – im Karni-Mata-Tempel werden sie als Heilige verehrt und dürfen daher frei herumlaufen.