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Fakten über Vinyl - Wussten Sie eigentlich...?

Folge 69 Staffel 1

Kultobjekt Schallplatte: Wussten Sie eigentlich, dass sich die Vinylscheibe in dieser Form schon seit 1948 dreht?! Und sie feiert in den letzten Jahren eine Renaissance.

17.10.2016 14:30 | 4:39 Min | © ProSiebenSat.1 Media SE

Vinyl-Schallplatte: Mehr als ein Relikt vergangener Musik-Zeiten

In Zeiten von MP3s und Streaming-Diensten ist die Vinyl-Schallplatte bei der jüngeren Generation fast in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht! Denn Vinyl bietet im Vergleich zu digitalen Klangerzeugnissen viele Vorteile.

Die Geschichte der Schallplatte

Die Anfänge des Vinyls gehen auf das Jahr 1860 zurück, als es dem Franzosen Édouard-Léon Scott de Martinville gelang, ein Kinderlied mithilfe eines großen Trichters einzufangen und mit einer Membran, die die Schwingungen auf eine Schweineborste übertrug, auf eine Walze zu kratzen.

Sein Phonautograf war jedoch nicht dazu gedacht, den aufgezeichneten Schall auch wiederzugeben. Das schaffte erst die 1877 von John Kruesi gebaute Erfindung des Amerikaners Thomas Alva Edison. Die erste langspielende Schallplatte aus Polyvinylchlorid, also Vinyl, erschien aber erst 1930. Das Vinyl verdrängte die Schellackplatten bis Ende der 1950er Jahren vom Markt.

Comeback der LP

Bereits vor zehn Jahren, als iTunes noch in den Kinderschuhen steckte, galten LPs als ein Relikt. Doch seit einer Dekade wächst der Absatz von Vinyl, und auch die großen Künstler pressen ihre Songs wieder auf LPs – der digitalen Revolution zum Trotz. Amerikas Interessenverband der Musikindustrie meldete, dass der Umsatz mit Vinyl in den USA in 2015 um 32 Prozent auf 416 Millionen Dollar gestiegen sei.

Vinyl, CD oder MP3: Was ist besser?

Sound

Vinyl-Liebhaber sind davon überzeugt, dass Schallplatten wärmer und lebendiger klingen als CDs oder MP3s. Für diese auditive Wahrnehmung gibt es zwei Erklärungen: Zum einen ist da das signifikante Knacken, Knistern und Rauschen, das der Platte einen organischen Sound verleiht. Zum anderen gehen bei der Pressung und beim Abspielen von Vinyl viele Klänge im hohen und mittleren Frequenz-Bereich verloren – diese werden vom menschlichen Ohr oft als unangenehm empfunden.

Ergo: Die Tonqualität ist objektiv gesehen nicht besser als bei der CD – im Gegenteil sogar. In technischer Hinsicht ist der Silberling dem schwarzen Gold in allen Belangen überlegen. Bei der MP3 hingegen kommt es auf die sogenannte Datenübertragungsrate an. Ist eine Audiodatei herunterkomprimiert, beispielsweise auf 128 kbps, klingt sie dumpf und unklar.

Ob sich nun Vinyl, CDs oder digitale Medien besser anhören, bleibt am Ende auch eine Frage des Geschmacks.

Haltbarkeit

Auch die Frage der Lebensdauer lässt sich nicht ganz so einfach beantwortet. Rein theoretisch hat Vinyl eine unbegrenzte Haltbarkeit. Voraussetzung für einen langen Spaß mit der Schallplatte ist jedoch eine entsprechende Pflege und richtige Lagerung. Werden die Scheiben zu großer Hitze und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, können Verformungen oder Dellen die unangenehme Folge sein. Eine Wiedergabe auf dem Plattenspieler ist in diesem Zustand dann nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass die Vinyl-Platte bei minderwertigen Nadeln oder einem schlecht eingestellten Tonarm verschleißen können, wenn man sie sehr oft abspielt. Schallplatten gehören außerdem immer in die Schutzhülle, andernfalls verstauben sie schnell.

Wesentlich anfälliger ist da jedoch die CD. Ein Kratzer und schon kann sie vom Laser des CD-Players nicht mehr gelesen werden. Aber auch bei einer sachgemäßen Behandlung sind viele Compact Discs nach spätestens zehn Jahren reif für die Mülltonne. In puncto Haltbarkeit ist die MP3 der klare Sieger.

Optik

Keine Frage, der Sound ist das Wichtigste, wer jedoch das Album des Lieblingskünstlers auf Vinyl kauft, bekommt auch noch etwas fürs Auge geboten. Die Cover von Platten geben oft deutlich mehr her, als die digital gespeicherten Thumbnails des MP3-Downloads oder die kleinen Booklets der CD. Auch als Deko-Element werten viele aneinandergereihte Vinyl-Scheiben das Ambiente im Zimmer auf.

Weitere Vor- und Nachteile

Schallplatten nehmen, wenn es sich nicht gerade um das kleinste Format (7inch) handelt, sehr viel Platz ein. Ohne Plattentasche lassen sie sich nur schwer transportieren. Apropos Transport: Auch hier gibt es Abzüge in der B-Note. Ein Plattenspieler eignet sich nur für das Musikhören in den eigenen vier Wänden. Zwar gibt es auch kleine Modelle, die nur mit Batterien laufen, jedoch können diese nicht mit dem MP3-Player konkurrieren. Nicht zuletzt, weil die Tonqualität bei den Mini-Turntables zu wünschen übrig lässt.

Pluspunkte gibt es hingegen beim Preis: In Secondhand-Läden oder auf dem Flohmarkt bekommt man gerade alte Veröffentlichungen für wenig Geld. Aber auch neuere Releases auf Vinyl werden aufgrund des Booms von Streaming-Diensten immer günstiger. Gerade in Online-Shops kann man sehr schnell das eine oder andere Schnäppchen finden.

Verfechter der Schallplatte schwören außerdem noch auf den persönlichen Charme des analogen Tonträgers. Für sie verhält sich Vinyl zur CD wie das Buch zum E-Book. Nostalgie zum Anfassen auf der einen Seite, seelenlose Technologie auf der anderen.

Fazit: Für Musikliebhaber ist Vinyl mehr als nur ein Tonträger. Sie fühlen sich von Klang, Haptik und Optik der Schallplatte angezogen, die eine CD oder ein digitales Audio-Medium nicht anbieten kann. Wer Vinyl sachgemäß lagert und hochwertige Nadeln benutzt, kann unbegrenzt langen Spaß an der LP haben.